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Etwa wenn sich Christoph
Hein in seinem Roman "Von
allem Anfang an" an einen
Familienbesuch in West-Berlin
erinnert. Man saß gerade
in einem Café am Ku'damm,
als sich die Nachricht vom
Einmarsch der Russen in Ungarn
verbreitete. Der Junge
schämt sich, weil Vater mit
seiner Aufregung sie als Kleinstädter
aus dem Osten verrät,
und Mutters Mahnung macht
alles nur noch schlimmer:
"Iss doch bitte den Kuchen ...
er ist teuer genug." Selbstgefällige
Gemütlichkeit auch in
Gabriele Wohmans süffisanter
Erzählung "Sonntag bei
den Kreisands": "... diese
Neigung mit den Pflichtspaziergängen
ihrer Kindheit; auf denen bekam
sie Nasenbluten oder Magendrücken oder ein
Schäferhund biss sie in weiße Strümpfe, die
sie auch nicht mochte." Wie gut, dass man
heute ein Auto hat, und zu Hause einen Fernseher
und eine Couch ...
Ob es das eigensinnige Kind ist, das schon
bei Goethe sein blaues Sonntagswunder erlebt,
oder der arme Hanno in Thomas Manns
"Buddenbrooks", der einen schönen, selbstvergessenen
Sonntag mit einer unruhigen
Nacht bezahlt, weil er die Lateinvokabeln
nicht gelernt hat - geplagte Sonntagskinder
sind sie alle. Kein Wunder also, dass K., der
Held in Franz Kafkas "Prozess", stets am
Sonntag zur Verhandlung zu erscheinen hat:
damit der Arbeitsprozess nicht weiter gestört
wird. Ganz einfach war es wohl nie, den
Sonntag heil zu überstehen. "Aber so ist das
im Leben", heißt es darum in Tucholskys Gedicht
treffend und knapp: "Das Schönste vom
Sonntag ist der Sonnabend Abend".
Hansjörg Albrecht
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