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"Ihr sollt in unseren Tränen ersaufen"

Wanderausstellung "Widerstand und Opposition in der DDR"

Die Bedeutung Jenas für die Widerstandsgeschichte in der DDR ist weitgehend vergessen. Zu Unrecht, denn die thüringische Stadt war ein Zentrum der Opposition. Die Ausstellung des Zeit geschichtlichen Forums veranschaulicht dies sehr eindrucksvoll.

Schwerter zu Pflugscharen: Die Botschaft des Propheten Micha wurde in den 1980er Jahren Parole der Friedensbewegung.

Im Mittelpunkt der Erinnerung an den Jenaer Widerstand steht Roland Jahn. 1977 wird der 24-jährige Student wegen seines Protests gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann exmatrikuliert. Jahn ist Kopf der 1982 entstehenden Oppositionsgruppe "Jenaer Friedensgemeinschaft", die mit Flugblättern, Losungen und Demonstrationen die Sicherheitsorgane in Aufregung versetzt. Immer wieder treibt es Jahn auch zu Einzelaktionen: In einer Aufmachung halb Hitler, halb Stalin erscheint er 1982 zur offiziellen Maidemonstration. Ende August protestiert er mit einer Fahne der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc an seinem Fahrrad gegen das Kriegsrecht im Nachbarland. Das Regime reagiert hart auf diese Provokationen: Am 1. September 1982 wird der Bürgerrechtler verhaftet und Anfang 1983 zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Protesten - vor allem aus der Bundesrepublik - wird Jahn vorzeitig freigelassen.

Zum nächsten Konflikt mit dem Regime kommt es, als die Friedensgemeinschaft für den 19. März 1983 offiziell ihre Teilnahme an der Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Jenas im Zweiten Weltkrieg beantragt. Das Ministerium für Staatssicherheit beschließt, die Gruppe endgültig zu zerschlagen und beginnt am 18. Mai 1983 mit der Aktion "Gegenschlag". 40 Mitglieder der Friedensgemeinschaft werden in großer Eile in den Westen abgeschoben. Anfang 1983 bezahlt Jahn sein Engagement mit erneuter Verhaftung. Gegen seinen Willen wird er mit Gewalt und gefesselt in einem Zug in die Bundesrepublik abgeschoben.

Danach wird Roland Jahn zu einer der wichtigsten Stimmen der DDR-Opposition im Westen. Als Redakteur der ARD-Sendung "Kontraste" informiert er regelmäßig über die politischen Verhältnisse in der DDR und vermittelt Kontakte zwischen Bürgerrechtlern und westdeutschen Journalisten und Politikern. Auf praktische Weise unterstützt er die Bürgerrechtsbewegung. So schmuggelt er eine Kamera von West- nach Ost-Berlin, mit der dem Fotografen Siegbert Scheffke am 9. Oktober 1989 berühmte Aufnahmen gelingen. Scheffke fotografiert vom Dach der reformierten Kirche am Leipziger Ring die für die friedliche Revolution in der DDR entscheidende Montagsdemonstation.

Zu denen, die in Jena in die Fänge der Stasi geraten, gehört auch Matthias Domaschk. Als Mitglied der Jungen Gemeinde organisiert er von 1977 an Hilfsaktionen für inhaftierte Bürgerrechtler und nimmt Verbindung zu Dissidenten in Polen und in der Tschechoslowakei auf. Im April 1981 verhaftet, stirbt der 24-Jährige nach zweitägigem Verhör unter bis heute ungeklärten Umständen in der Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Gera. An der Trauerfeier nehmen etwa 150 junge Menschen teil, die allein durch ihr Erscheinen und mit Rufen wie "Ihr sollt in unseren Tränen ersaufen" den zahlreichen "Sicherheitskräften" ihre Empörung zeigen. Noch Jahre später kommt es in Jena zu Protesten wegen des Todes von Domaschk, der zu einer Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung in der DDR wird.

Anne Martin

Vom 5. bis 25. November 2003:
Museum Industriekultur
Äußere Sulzbacher Str. 62
90317 Nürnberg
Öffnungszeiten:
Di-Fr 9-17 Uhr,
Sa und So 10-18 Uhr
> www.museen.nuernberg.de/industriekultur/

Vom 9. Dezember 2003 bis 6. Januar 2004:
Stadtmuseum
Salzstraße 28
48143 Münster
Öffnungszeiten:
Di-Fr 10-18 Uhr
Sa und So 11-18 Uhr
> www.muenster.de/stadt/museum/

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