4/2003

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Ausstellungen

 

"Nichts ist beleidigender als die    Wahrheit"

Foyerausstellung im Haus der Geschichte

Seine "Lieblingsopfer" waren Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl, seine Meisterschaft bestand in der Demaskierung großer Posen, durchsichtiger Ausreden - und im Kugelstoßen und Bierbrauen. Sich selbst bezeichnete er als zeichnenden Journalisten. Im August zeigte das Haus der Geschichte die Werke des Karikaturisten Dieter Hanitzsch mit dem Titel "Es ist nicht immer zum Lachen".
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Dieter Hanitzsch beschreibt seine zeichnerische Arbeit als den "Versuch, die Wahrheit zu vergröbern" und macht dabei eigentlich immer dasselbe: Er tauscht Köpfe und Zahlen aus - die Themen, die er aufspießt, sind dieselben. "Die Kriege haben einen anderen Namen, früher war es Vietnam, jetzt ist es der Irak - ein Haushaltsloch gab es schon vor Jahrzehnten, ebenso die Seifenblasen der Politiker, den Parteienstreit oder das Koalitionsgeplänkel", schmunzelt der Zeichner. Er selbst bezeichnet sich als zeichnenden Journalisten, der auf die Information des Lesers durch die schreibenden Kollegen angewiesen ist, damit die Bissigkeit der Zeichnung ankommt. Denn, wie er sagt, "nichts ist beleidigender als die Wahrheit".

Geboren wird Hanitzsch am 14. Mai 1933 in Schönlinde, einem Ort in Nordböhmen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird er aus Nordböhmen vertrieben und kommt nach Pfarrkirchen in Niederbayern. Für die Jugend im Dorf ist er anfangs nur "der Flüchtling" und so prägt sich der oft gehörte Satz "Auf geht's Buam, hau' ma d' Flüchtling zamm!" in sein Gedächtnis ein. Hanitzsch sieht das im Rückblick jedoch ganz trocken: "Da musste man also schon entweder schneller sein oder stärker." Er entscheidet sich für letzteres und wird 1949 bayerischer Vizemeister im Kugelstoßen.

Nach dem Abitur rät ihm seine Mutter, nicht eine brotlose Künstlerkarriere einzuschlagen, sondern besser etwas "Gescheites" zu lernen: "Ich sage dir was, getrunken wird immer". Hanitzsch wird Bierbrauer. Doch damit nicht genug: Er studiert das Brauereiwesen in Weihenstephan, danach Betriebswirtschaft in München und wird Werbeleiter bei Paulaner. Noch heute wirbt die Brauerei mit dem von ihm kreierten Werbeslogan: "Gut, besser, Paulaner."

Hanitzsch-Karikatur zur Wiedervereinigung: "Nach der Hochzeit können wir ja sagen, es sind seine!"

Der Bonner Starfighter: Allein 1965 fielen 25 "Sternenkrieger" des damaligen Verteidigungsministers Strauß vom Himmel.

Dieter Hanitzsch, Es ist nicht immer zum Lachen. Karikaturen aus vier Jahrzehnten.

Von 1964 bis in die 1980er Jahre arbeitet er als Wirtschaftsjournalist beim Bayerischen Rundfunk. Nebenher zeichnet er für überregionale Zeitungen. Mit fünfzig Jahren entschließt er sich, endlich das zu machen, was er schon immer am besten konnte: Er wird freier Karikaturist. Jetzt zeichnet er für Bücher, verschiedene Tageszeitungen und Magazine. Seine bekannteste Buch-Reihe ist "Ich, Franz Josef Strauß".

Die Präsentation im Haus der Geschichte - zum 70. Geburtstag von Hanitzsch von der Kreissparkasse München Starnberg konzipiert - zeigt unter dem Motto "Es ist nicht immer zum Lachen" 120 Zeichnungen aus vier Jahrzehnten. Neben Pressezeichnungen sind einige Karikaturen aus Büchern und Bildgeschichten zu sehen, u.a. die bekannte Serie aus der "Süddeutschen Zeitung" über den fiktiven CSU-Bundestagsabgeordneten Max Froschhammer. Durch die Ausstellung ist Hanitzsch schon zu Lebzeiten Teil der Geschichte geworden, und so stellt er selbst fest: "Es ist für mich eine besondere Ehre, hier im Haus der Geschichte in unmittelbarer Nähe zum Adenauer-Mercedes, dem Rosinenbomber, einem Kühlschrank aus den 1950er Jahren und der Strickjacke von Kohl ausgestellt zu werden."

Meike Rosenplänter

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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