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Das Fundament guter Beziehungen
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Interview mit Christina Weiss |
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"Ein wunderbares Großprojekt"
so bezeichnet Staatsministerin
Christina Weiss die deutsch-russischen Kulturbegegnungen
2003/2004. Rund 350
Veranstaltungen sollen in beiden
Ländern stattfinden, eine davon
ist die Ausstellung "Spuren - Sledy" des
Hauses der Geschichte. Die
ehemalige Literatur- und
Kunstkritikerin arbeitete zehn
Jahre lang als Hamburger
Kultursenatorin, bevor sie im
Oktober 2002 Beauftragte der
Bundesregierung für Kultur und
Medien wurde.

mm Frau Weiss, was war Ihre erste Begegnung mit russischer Kultur?
Weiss In meiner Jugend las ich gerne
russische Klassiker wie Puschkin,
Tolstoj, Dostojewski, Gogol.
Eine neue, eine fremde Welt tat
sich für mich auf. Als Leiterin des
Hamburger Literaturhauses und
Kultursenatorin intensivierte sich
der Kontakt mit russischer Kultur
naturgemäß.
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Christina Weiss |
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mm Schließen die
Kulturbegegnungen eine Lücke
in den deutsch-russischen Beziehungen?
Weiss Kultureller Dialog ist das
Fundament guter Beziehungen.
Die politischen und wirtschaftlichen
Kontakte unserer beiden Länder sind gut.
Und sie können nur dann noch
weiter wachsen, wenn man sich
auch geistig-kulturell
etwas zu geben hat. Mit den Kulturbegegnungen
wollen wir einen
jahrhundertlangen Austausch neu
beleben. Die russische Kultur fasziniert
uns, umgekehrt interessiert
man sich in Russland sehr stark für
das neue Deutschland.
mm Was wollen Sie mit den Kulturbegegnungen
erreichen?
Weiss Wir wollen damit unsere Beziehungen
neu justieren. Mir liegt
besonders am Herzen, dass beide
Länder dabei auch die zeitgenössischen
Künste präsentieren. Wir
wissen viel zu wenig über russische
Künstler der Gegenwart.
Wenn am Ende dieser Begegnungen
der Austausch
zwischen den Kulturinstitutionen
selbstverständlicher geworden ist,
ohne dass der Staat stets als Initiator
einspringen muss, hätten wir
viel gewonnen.
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mm In Berlin wohnen 130.000
Russen. Die Stadt zieht viele junge
Russen an. Wird sie eine Brückenfunktion
für die Kultur zwischen
Ost und West übernehmen?
Weiss Berlin hat sich unmittelbar
nach der deutschen Einheit zu einem
wichtigen kulturellen Zentrum
zwischen West und Ost entwickelt.
Die gegenseitige Abschottung während
des Kalten Kriegs ist längst
einem dichten Netz von Kontakten
auf allen Ebenen gewichen. Gerade
in einer Stadt wie Berlin spüren
wir täglich, wie nah uns Russland
tatsächlich ist.
mm Kunstraub oder Reparationen.
Wo liegen im Streit um die "Beutekunst"
die größten Hemmnisse, wo finden sich Lösungsansätze?
Weiss Im Kulturabkommen von 1992 verpflichten sich beide
Länder, "verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter"
den Eigentümern zurückzugeben. In Deutschland werden nur noch sporadisch
russische Kunstgegenstände gefunden, denn viele wurden schon an
die damalige Sowjetunion zurückgegeben. Die Anzahl deutscher Kulturgüter
in Russland geht dagegen in die Millionen. Zu unserem großen Bedauern
hat das russische Parlament in einem Gesetz Ende der 1990er Jahre
alle in Russland befindlichen deutschen Kulturgüter völkerrechtswidrig
zu russischem Eigentum erklärt. Dieses Gesetz verhindert erfolgreiche
Rückführungsverhandlungen. Außerdem beobachten wir in Russland
noch gewisse mentale Widerstände, die historisch bedingt und auch
verständlich sind. Trotzdem hoffe ich, dass eine gerechte Lösung
gefunden werden kann. |
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Interview: Markus Stadtmüller |
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