4/2003

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 Spuren - Sledy
 Das Fundament guter
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Titel

 

Das Fundament guter Beziehungen

Interview mit Christina Weiss

"Ein wunderbares Großprojekt" so bezeichnet Staatsministerin Christina Weiss die deutsch-russischen Kulturbegegnungen 2003/2004. Rund 350 Veranstaltungen sollen in beiden Ländern stattfinden, eine davon ist die Ausstellung "Spuren - Sledy" des Hauses der Geschichte. Die ehemalige Literatur- und Kunstkritikerin arbeitete zehn Jahre lang als Hamburger Kultursenatorin, bevor sie im Oktober 2002 Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien wurde.

mm Frau Weiss, was war Ihre erste Begegnung mit russischer Kultur?

Weiss In meiner Jugend las ich gerne russische Klassiker wie Puschkin, Tolstoj, Dostojewski, Gogol. Eine neue, eine fremde Welt tat sich für mich auf. Als Leiterin des Hamburger Literaturhauses und Kultursenatorin intensivierte sich der Kontakt mit russischer Kultur naturgemäß.

Christina Weiss

mm Schließen die Kulturbegegnungen eine Lücke in den deutsch-russischen Beziehungen?

Weiss Kultureller Dialog ist das Fundament guter Beziehungen. Die politischen und wirtschaftlichen Kontakte unserer beiden Länder sind gut. Und sie können nur dann noch weiter wachsen, wenn man sich auch geistig-kulturell etwas zu geben hat. Mit den Kulturbegegnungen wollen wir einen jahrhundertlangen Austausch neu beleben. Die russische Kultur fasziniert uns, umgekehrt interessiert man sich in Russland sehr stark für das neue Deutschland.

mm Was wollen Sie mit den Kulturbegegnungen erreichen?

Weiss Wir wollen damit unsere Beziehungen neu justieren. Mir liegt besonders am Herzen, dass beide Länder dabei auch die zeitgenössischen Künste präsentieren. Wir wissen viel zu wenig über russische Künstler der Gegenwart. Wenn am Ende dieser Begegnungen der Austausch zwischen den Kulturinstitutionen selbstverständlicher geworden ist, ohne dass der Staat stets als Initiator einspringen muss, hätten wir viel gewonnen.

mm In Berlin wohnen 130.000 Russen. Die Stadt zieht viele junge Russen an. Wird sie eine Brückenfunktion für die Kultur zwischen Ost und West übernehmen?

Weiss Berlin hat sich unmittelbar nach der deutschen Einheit zu einem wichtigen kulturellen Zentrum zwischen West und Ost entwickelt. Die gegenseitige Abschottung während des Kalten Kriegs ist längst einem dichten Netz von Kontakten auf allen Ebenen gewichen. Gerade in einer Stadt wie Berlin spüren wir täglich, wie nah uns Russland tatsächlich ist.

mm Kunstraub oder Reparationen. Wo liegen im Streit um die "Beutekunst" die größten Hemmnisse, wo finden sich Lösungsansätze?

Weiss Im Kulturabkommen von 1992 verpflichten sich beide Länder, "verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter" den Eigentümern zurückzugeben. In Deutschland werden nur noch sporadisch russische Kunstgegenstände gefunden, denn viele wurden schon an die damalige Sowjetunion zurückgegeben. Die Anzahl deutscher Kulturgüter in Russland geht dagegen in die Millionen. Zu unserem großen Bedauern hat das russische Parlament in einem Gesetz Ende der 1990er Jahre alle in Russland befindlichen deutschen Kulturgüter völkerrechtswidrig zu russischem Eigentum erklärt. Dieses Gesetz verhindert erfolgreiche Rückführungsverhandlungen. Außerdem beobachten wir in Russland noch gewisse mentale Widerstände, die historisch bedingt und auch verständlich sind. Trotzdem hoffe ich, dass eine gerechte Lösung gefunden werden kann.

Interview:
Markus Stadtmüller

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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