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Spuren - Sledy

Deutsche und Russen in der Geschichte

Furcht und Faszination, große Nähe und tiefe Verletzungen prägen die deutsch-russischen Beziehungen. Seit Jahrhunderten gibt es enge politische, wirtschaftliche und besonders kulturelle Verbindungen zwischen Russen und Deutschen. Ihren Spuren sowie der tiefen Zäsur durch den Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen nachzugehen, hat sich die neue Ausstellung "Spuren - Sledy" des Hauses der Geschichte zur Aufgabe gemacht.

Spurensuche

Berlin - Moskau. Wolfgang Büscher ist den Weg zu Fuß gegangen und hat darüber ein erfolgreiches Buch geschrieben. Sein Weg nach Osten durch Polen, Weißrussland und Russland ist eine Spurensuche besonderer Art. Der Osten ist für ihn ein "Geschichtengrab, ein Tagebau des Tragischen", ein Land, das "Monumente der Erinnerung" im Überfluss besitzt, das von den Deutschen verwüstet wurde und wo sich die Menschen dennoch freuen können, "wieder einmal einen Deutschen zu sehen und sich zu erinnern."

Aber nicht nur in Russland gibt es Stein gewordene, manchmal offen liegende, manchmal aber auch erst mühsam aufzudeckende Spuren der Erinnerung. So birgt der umgebaute Reichstag in Berlin noch die Inschriften der siegreichen sowjetischen Soldaten, die ihn im Mai 1945 stürmten. Heute sind Teile der Graffitis sorgfältig restauriert - sichtbare Spuren des Kriegs, von Sieg und Niederlage, Befreiung und Besatzung, die nicht ausradiert oder verdrängt werden sollen. Der aufmerksame Betrachter erkennt die Graffitis auch im Hintergrund des Ausstellungsplakats.

Begegnungen

In enger Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Historischen Museum in Moskau, einem langjährigen Kooperationspartner des Hauses der Geschichte, geht die Ausstellung aussagekräftigen Beispielen im Verhältnis beider Völker nach. Die "Spuren" veranschaulichen Trennendes und Gemeinsames. Ihr Spektrum wird thematisch und historisch bewusst weit gefasst: konkrete geografische Orte, Gebäude, Denkmäler, auch Kunstwerke oder Gemeinschaftsprojekte. Sie repräsentieren alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. So entsteht in der Gesamtbetrachtung ein repräsentativer Querschnitt deutsch-russischer Begegnungen, der eine Verengung des Blicks auf die traumatischen Erfahrungen von Krieg und Diktatur vermeidet.

In sechs thematischen "Kapiteln" der Ausstellung verdichten sich die Spuren: "Projektionen", "Heimat", "Krieg", "Widersprüche", "Faszination" und Perspektiven". Die wechselseitigen Wahrnehmungen, die jeweils dominierenden Bilder und Gegenbilder sowie die Klischees, die sich über lange Zeiträume herausgebildet haben, sind Gegenstand der "Projektionen".

Eine Stadt im Disko-Fieber: Seit Ende 2000 veranstalten Wladimir Kaminer und Jurij Gurskij die Russendisko im Cafe Burger, Berlin.

Plakat zur Ausstellung

Unverbesserlich: Karikatur von Boris Jefimow "So wiederholt sich die Geschichte"

Die russische Siedlung Alexandrowka von 1826/27 in Potsdam ist ein Symbol preußisch-russischer Freundschaft und zugleich ein Spiegel zeitgenössischer Vorstellungen vom "typisch Russischen". Stalinstadt/Eisenhüttenstadt ist ein Beispiel für die Übernahme des sowjetischen Vorbilds durch die DDR und den vergeblichen Versuch, eine "sozialistische Modellstadt" zu schaffen.

"Heimat" geht von einem territorialen Zugang aus: Die Situation der Russen in Berlin heute wird ergänzt durch einen Blick auf die 1920er Jahre. Die Einheit "Deutsche in Moskau" thematisiert die Geschichte der deutschen Gemeinde vor 1914 im Kontrast zur Gegenwart. Die Spuren "Wolgadeutsche" und "Kaliningrad" ergänzen diese Ausstellungseinheit. Eine fundamentale Zäsur in den deutsch-russischen Beziehungen bildet der Zweite Weltkrieg. Formen der Erinnerung und Aufarbeitung von Krieg und Lagerhaft werden an den Beispielen Stalingrad, des Lagers für sowjetische Kriegsgefangene Stukenbrock, des Lagerkomplexes Workuta und des russischen "Speziallagers" Sachsenhausen gezeigt.

"Widersprüche" beschäftigt sich mit Spannungen zwischen Anspruch und Wirklichkeit im deutschrussischen Verhältnis: Das "Hotel Lux" steht in den 1930er Jahren für Zuflucht vor nationalsozialistischer Verfolgung, aber auch für stalinistischen Terror, Angst und Denunziation. Die zweitgrößte Massenorganisation der DDR, die "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft", ist ein Beispiel für verordnete, ritualisierte Freundschaft, die den lebendigen, persönlichen Austausch nicht ersetzen kann. "Staat im Staate" waren die Sowjetische Aktiengesellschaft Wismut und die streng abgeschirmte Kommandozentrale der russischen Armee in Deutschland, die Kasernenstadt Wünsdorf mit ihrer eigenen Infrastruktur.

Der Ausstellungsbereich "Faszination" stellt die gegenseitigen positiven kulturellen Einflüsse in den Mittelpunkt - von den literarischen Beziehungen, z. B. der "Wahlverwandtschaft" Böll / Kopelew, über den Einfluss des russischen Balletts, dem fruchtbaren Austausch zwischen dem Dessauer Bauhaus und der avantgardistischen Architektur in der Sowjetunion bis zur Begeisterung russischer Adliger und Schriftsteller für deutsche Kurorte wie Baden-Baden.
Neue Formen der Zusammenarbeit nach dem Fall
der Mauer skizziert schwerpunktmäßig der letzte thematische Bereich "Perspektiven".
Die Vernetzung bei der Versorgung mit Erdgas, die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers sowie die Frage nach den künftigen deutsch-russischen Beziehungen im "europäischen Haus" stehen dabei im Mittelpunkt.

Bruderkuss unter Sozialisten: Leonid Breschnew und Erich Honecker am 30. Jahrestag der DDR in Ost-Berlin, 1979

Stiftertafel: Dank der Unterstützung der Ruhrgas AG konnte nach 17-jähriger Arbeit eine meisterhafte Kopie des Bernsteinzimmers vollendet werden.


Partnerschaft

"Spuren - Sledy" findet im Rahmen der deutsch-russischen Kulturbegegnungen statt, die in den Jahren 2003/2004 zu zahlreichen Veranstaltungen einladen. Bundespräsident Roman Herzog umriss bei einer Stipendienverleihung am 2. September 1997 bereits das Ziel künftiger Bemühungen, die nicht zuletzt zu den diesjährigen Kulturbegegnungen führten: "Kultur vermittelt letzten Endes immer Wissen voneinander.
Und ohne Wissen voneinander, oder besser: Wissen übereinander, gibt es keine Verständigung untereinander und kein Verständnis füreinander. Und ohne Verständnis und Verständigung gibt es keinen gegenseitigen Respekt. Und ohne Respekt gibt es kein Vertrauen. Und ohne Vertrauen gibt es nicht die Partnerschaft, die wir nicht nur wollen, sondern die wir brauchen."

Christian Peters

Die Ausstellung "Spuren - Sledy. Deutsche und Russen in der Geschichte" ist vom 3. Dezember 2003 bis 12. April 2004 im Haus der Geschichte zu sehen.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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