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Titel |
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Typisch russisch - typisch deutsch
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Deutsche und Russen heute |
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Butterbrot, Datsche oder Troika - in beiden Sprachen
dokumentieren zahlreiche Lehnwörter die gemeinsame Geschichte. Klischees
betonen häufig das Trennende in den Beziehungen. Worin besteht das
Gemeinsame heute? Erleichtert die Kenntnis des jeweiligen Wertesystems
den Dialog? Fragen, die neben historischen und aktuellen "Spuren"
in der neuen Wechselausstellung im Haus der Geschichte zur Diskussion
anregen.
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Deutschland als blühende Landschaft - ein Klischee, das die Künstler Wladimir Dubosarskij und Alexander Winogradow überspitzt aufgreifen. |
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Vorurteile und oft einander widersprechende Bilder
vom jeweils anderen Land und seinen Menschen
bestimmen seit vielen Generationen unser Denken.
Auch heute noch prägen die Beziehung von Russen
und Deutschen vor allem Klischees, die sich in das
kollektive Gedächtnis eingegraben haben. Dabei sind
die wechselseitigen Vorstellungen trotz Krieg und aller
Belastungen nicht ausschließlich negativ besetzt.
Über einen langen Zeitraum spiegelt sich im Bild
vom Anderen die tiefe Bewunderung für dessen Kultur.
Der romantischen Vorliebe für die "russische
Seele" steht dabei die Achtung vor dem "deutschen
Geist", dem Land Goethes und Schillers, gegenüber.
Wechselnde Phasen der Annäherung, radikale Verfeindung
und Entfremdung charakterisieren die gegenseitigen
Wahrnehmungen. Der Bogen spannt sich vom
russo- bzw. germanophilen Kult des 19. und frühen
20. Jahrhunderts bis zum propagandistischen Feindbild
der Kriegs- und Nachkriegszeit.
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Höchstes Gut: Gesundheit
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Quelle: Allensbach-Umfragen 1998 bis 2002 und Umfrage des Staatlichen Historischen Museums Moskau, 2001 |
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Heutige Medien präsentieren in beiden Ländern
einen diffusen Mix mehr oder weniger freundlicher
Stereotypen. Neben den Attributen gastfreundlich,
warmherzig und belesen gilt "der Russe" in Deutschland
vor allem als chaotisch, mafiös und korrupt. Russen
trinken gern und reichlich, neigen zum Leichtsinn
und wecken vor allem Besorgnis: unbewältigte
Umweltprobleme, Terrorismus und Tschetschenien-
Krieg, Korruption, Prostitution, Drogen, brutale Räuberbanden.
Und die Deutschen, aus Sicht der Russen? Ordentlich
sind sie, zuverlässig, fleißig, sauber, ausgelassene
Biertrinker - aber auch: egoistisch, kalt, materialistisch
eingestellt, geizig, gewalttätig.
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Jenseits dieser typisierenden Fremdbilder erlaubt
heute die Kenntnis der durch Umfragen ermittelten
"Werte" möglicherweise eine vorurteilsfreiere Sicht.
Der Wertewandel bzw. -verfall und die Bedeutung von Leitbildern
werden derzeit in den Medien beider Länder lebhaft
diskutiert.
Der Vergleich des Wertekanons ergibt erstaunliche
Parallelen. So genießt die "Gesundheit" in beiden Ländern höchste Priorität.
In der weiteren Rangfolge stehen sich die
"Familie" in Russland und "Sicherheit und Geborgenheit"
in Deutschland gegenüber. Auf Rang drei folgt in
Russland "Bildung" während in Deutschland "Recht
und Ordnung" und "Soziale Gerechtigkeit" für gleich
wichtig erachtet werden. Auf dem vierten Platz erscheint
auf russischer Seite der Begriff "Freiheit",
der einerseits die in Russland neu gewonnenen
demokratischen Freiheiten umfasst und
andererseits die gerade von der jüngeren
Generation geschätzten individuellen Bewegungsmöglichkeiten
meint. Die am meisten gewünschte
Tugend ist in beiden Ländern die "Ehrlichkeit",
gefolgt von positiven Eigenschaften wie
"Leistungsbereitschaft", "Verantwortungsbewusstsein"
und "Hilfsbereitschaft".
Wenn auch im Einzelnen die Wertehierarchie
von einander abweicht, gibt es doch in Deutschland
und Russland ein ähnlich orientierungsstiftendes
System in persönlicher wie gesellschaftlicher Hinsicht.
Gelingt es, das Wissen voneinander zu vertiefen, könnte eine künftig
unverzerrtere Wahrnehmung des Andern die interkulturelle Kommunikation
fördern helfen.
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Antoinette Lepper-Binnewerg /
Jürgen Reiche |
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