Bade- und Trinkkuren kamen auf, und es entwickelte sich ein florierender Heilwasserversand.
Die Lieferung war eine kostspielige Angelegenheit und nur von Adeligen
und wohlhabenden Bürgern zu finanzieren. Schon im 16. Jahrhundert machten
sich Gelehrte über die Reinhaltung
des Wassers während des Transports Gedanken. So rieten sie, die Behältnisse vor
Gebrauch mit kochendem Wasser auszuspülen
und sie in den Sommermonaten wegen der schädlichen Hitze nur nachts zu transportieren.
Im 19. Jahrhundert wurde das Wasser in
Tonkrügen vorrätig gehalten und auch auf diese Weise befördert. Mitte des letzten
Jahrhunderts kamen dann Glasflaschen auf, die seit 1969 die typische perlenartige
Oberfläche aufweisen.
Zum Erfolgsgetränk avancierte das Mineralwasser erst relativ spät. In den 1970er Jahren noch als "Gänsewein" an Kindergeburtstagen
belächelt oder als Sekt des kleinen Mannes verspottet, entwickelte es sich zum mittlerweile beliebtesten alkoholfreien Getränk in
Deutschland. Dieser Trendwende ging die Ausstellung nach, indem sie in verschiedenen Installationen das Konsumverhalten der Deutschen
darstellte. Trank ein Deutscher in den 1970er Jahren durchschnittlich 12,5 Liter Mineralwasser im Jahr, so war der Konsum 2003
auf 128 Liter pro Kopf angestiegen.
Dass Mineralwasser nicht gleich Mineralwasser ist, verdeutlichte ein Blick auf die Wasser-Bar in der Ausstellung. Sie zeigte fast 400
verschiedene deutsche Mineralwässer und gab so einen Eindruck von der Sortenvielfalt des deutschen Sprudels. Selbstverständlich konnte
zur Eröffnung der Ausstellung das deutsche Brunnenland auch geschmacklich erkundet werden.
Außerdem präsentierte die Ausstellung auch die Geschichte des Verbands, der
maßgeblich für die Qualitätssicherung der Mineralbrunnen
in Deutschland sorgt. 100 Jahre bewegter Vereinsgeschichte wurden anhand eines
Zeitstrahls vorgestellt, der die wichtigsten Fakten
erläuterte und einen Einblick in die Rechtsstreitigkeiten rund um ein auf Reinheit
und Ursprünglichkeit bedachtes Getränk gab.
Judith Koppetsch/Sven Neufert
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