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Mehr als tausend Delegierte haben sich versammelt, um eine Partei zu gründen, die eigentlich gar keine Partei werden will. Zumindest
nicht im herkömmlichen Sinn. Die Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen,die sich hier vereinen, verstehen sich vielmehr als Alternative zu den "etablierten Parteien".
Ökologisch, sozial, basisdemokratisch und pazifistisch wollen sie sein. Doch schon auf dem Gründungskongress kommt es zu heftigen Kontroversen zwischen zwei Lagern: dem
ökologisch-wertkonservativen und dem linksalternativen. Kaum ein Jahr später werden weite Teile der bürgerlichen Umweltschützer die Partei verlassen haben.
Die Flügelkämpfe um die programmatische Ausrichtung der GRÜNEN kommen trotzdem nicht zur Ruhe. Der Streit zwischen "Fundis" und "Realos", also zwischen fundamentaloppositionell
und realpolitisch ausgerichteten Kräften, prägt die Partei bis Ende der 1980er Jahre - trotz der sich bald einstellenden Wahlerfolge.
Bei der Bundestagswahl 1983 erhalten die GRÜNEN 6,5 Prozent der Stimmen und ziehen damit erstmals ins Bonner Parlament ein. Mit bunten Pullis, Latzhosen und Sonnenblumen
setzen sie demonstrativ Kontrapunkte im Plenarbetrieb. Statt gut gepolsterter Limousinen gibt es für die Fraktion ein Dienstfahrrad.
Und unter der antiautoritären Maßgabe "Keine Macht für niemand" sollen in der Mitte der Legislatur alle grünen Abgeordneten rotieren,
d. h. ihr Mandat an so genannte Nachrücker übergeben.
Die Rotation erweist sich jedoch als wenig praktikabel und wird bald wieder
abgeschafft. Auch die Blumen verschwinden im Lauf der Jahre aus dem Plenarsaal.
Die Latzhosen werden gegen klassische Zweireiher eingetauscht und mit Joschka
Fischer wird ein GRÜNEN-Politiker
schließlich Umweltminister auf Landesebene und später Vizekanzler sowie deutscher
Außenminister. "Die GRÜNEN sind
erwachsen geworden", sagt dazu Heinz Suhr, ein GRÜNEN-Politiker der ersten
Stunde.
Martin Ludwig Hofmann
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