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Brennpunkt

 

Von Blumenkindern und Politprofis

Gründung der Partei DIE GRÜNEN 1980

Es ist eine bunte Mischung, die sich 1980 zur Bundespartei DIE GRÜNEN zusammenschließt: Bürgerinitiativen, Anti-AKW-Gruppen, Alternative Listen, aber auch christlich-konservative Umweltschützer. Ihr Symbol ist die Sonnenblume, ihre Parteifarbe grün und ihr Ziel: eine ganz andere Politik machen.

Tumulte, Diskussionen und Abstimmungen. Immer wieder Abstimmungen. Dazu die räumliche Enge. Die Karlsruher Stadthalle scheint fast aus den Nähten zu platzen. So einen Parteitag hat die bundesrepublikanische Öffentlichkeit noch nicht gesehen: "Bäuerliche Bauplatzbesetzer vom Kaiserstuhl begegneten radikalen Feministinnen aus Köln. Militante Brokdorfdemonstranten aus Hamburg und Hessen diskutierten mit christlichen Pazifisten aus Bayern oder mit Vogelschützern aus Niedersachsen. Punks mit Schlipsträgern. Kommunisten mit Anthroposophen", erinnert sich Jutta Ditfurth an den 12. und 13. Januar 1980, den Gründungsparteitag der GRÜNEN.

Mehr als tausend Delegierte haben sich versammelt, um eine Partei zu gründen, die eigentlich gar keine Partei werden will. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Die Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen,die sich hier vereinen, verstehen sich vielmehr als Alternative zu den "etablierten Parteien". Ökologisch, sozial, basisdemokratisch und pazifistisch wollen sie sein. Doch schon auf dem Gründungskongress kommt es zu heftigen Kontroversen zwischen zwei Lagern: dem ökologisch-wertkonservativen und dem linksalternativen. Kaum ein Jahr später werden weite Teile der bürgerlichen Umweltschützer die Partei verlassen haben.

Die Flügelkämpfe um die programmatische Ausrichtung der GRÜNEN kommen trotzdem nicht zur Ruhe. Der Streit zwischen "Fundis" und "Realos", also zwischen fundamentaloppositionell und realpolitisch ausgerichteten Kräften, prägt die Partei bis Ende der 1980er Jahre - trotz der sich bald einstellenden Wahlerfolge.

Bei der Bundestagswahl 1983 erhalten die GRÜNEN 6,5 Prozent der Stimmen und ziehen damit erstmals ins Bonner Parlament ein. Mit bunten Pullis, Latzhosen und Sonnenblumen setzen sie demonstrativ Kontrapunkte im Plenarbetrieb. Statt gut gepolsterter Limousinen gibt es für die Fraktion ein Dienstfahrrad. Und unter der antiautoritären Maßgabe "Keine Macht für niemand" sollen in der Mitte der Legislatur alle grünen Abgeordneten rotieren, d. h. ihr Mandat an so genannte Nachrücker übergeben.

Die Rotation erweist sich jedoch als wenig praktikabel und wird bald wieder abgeschafft. Auch die Blumen verschwinden im Lauf der Jahre aus dem Plenarsaal. Die Latzhosen werden gegen klassische Zweireiher eingetauscht und mit Joschka Fischer wird ein GRÜNEN-Politiker schließlich Umweltminister auf Landesebene und später Vizekanzler sowie deutscher Außenminister. "Die GRÜNEN sind erwachsen geworden", sagt dazu Heinz Suhr, ein GRÜNEN-Politiker der ersten Stunde.

Martin Ludwig Hofmann

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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