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Er war ein GRÜNEN-Politiker der ersten Stunde: Heinz Suhr, Jahrgang
1951. Als erster Pressesprecher der jungen Partei
sorgte er nicht nur für zahlreiche mediale Schlaglichter,
sondern profilierte sich als Bundestagsnachrücker von Joschka
Fischer auch als realpolitischer Kopf und Haushaltsexperte.
Heute leitet er eine TV-Produktionsfirma und
organisiert alljährlich den internationalen Bonner Presseball.
mm Herr Suhr, erinnern Sie sich noch an den Einzug der
GRÜNEN
in den Bundestag?
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Der erste Pressesprecher der GRÜNEN: Heinz
Suhr |
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Suhr Selbstverständlich, schließlich war ich 1983 nicht nur
dabei, sondern habe den Einzug inszeniert. Die ganze Geschichte mit
Pferdekutschen, Samba-Trommeln, vom sauren Regen betroffenen Tannenzweigen
und Vertretern der internationalen Ökologie- und Friedensbewegung.
Eine Nonne, die unseren Einzug begleitet hat, sagte damals treffend: "Ziemlich
bunt für dieses graue Haus."
mm Wie haben die Vertreter der anderen Fraktionen reagiert?
Suhr Für die war das natürlich eine Ohrfeige. Franz Josef
Strauß meinte einmal, die GRÜNEN seien die Kinder des Fernsehzeitalters.
Da ich tatsächlich über eine Fernsehausbildung verfüge,
habe ich das nach Kräften umgesetzt.
mm Inwiefern?
Suhr Zum Beispiel mit dem Dienstfahrrad der Fraktion,
das heute im Haus der Geschichte steht. Weil die GRÜNEN endlose
Debatten führten, musste ich mir immer wieder Aktionen einfallen
lassen, um von diesem Endlospalaver abzulenken.
mm Die Sache mit dem Dienstfahrrad war also ein reiner
PR-Gag?
Suhr Nein, kein Gag - aber eine gezielte PR-Aktion. Wir wollten
medial wirksam das Fahrrad verkehrspolitisch stärken, was uns gelungen
ist: Unser Dienstfahrrad hat es bis in die Bangkok Post
und die Baltimore Sun geschafft.
Und selbst Otto Schily hat sich danach ein Fahrrad mit
Federung für
den Rücken gekauft.
mm Von der basisdemokratischen Alternative zur staatstragenden
Regierungspartei - was sagen Sie heute zur Entwicklung der GRÜNEN?
Suhr Das Interessante ist natürlich schon, dass viele derjenigen,
die früher die heftigsten Verfechter von Rotation und Basisdemokratie
waren, heute immer noch in Amt und Würden sind. Man sieht ja, wie
Antje Vollmer sich als Bundestags-Vizepräsidentin um den Bezug
zur Basis kümmert (lacht). Aber es ist immerhin ein Zeichen für
die Durchlässigkeit unserer Gesellschaft, dass es ein Taxifahrer
und Sponti zum Außenminister schafft.
mm Das klingt nach Enttäuschung.
Suhr Nein, nicht nur. Ich glaube schon, dass die GRÜNEN das
emanzipatorische Element in der Politik gestärkt haben. Das war
ja neben der ökologischen
und der Abrüstungsfrage das Wichtigste. Die Funktion der GRÜNEN
war, für eine Entstaubung in Deutschland zu sorgen, für eine
Modernisierung des gesamten Regierungsapparats.
mm Demnach sind die GRÜNEN einfach erwachsen geworden?
Suhr Der Alltag ist stärker als die permanente Revolution
(lacht). Das haben einige erst kapieren müssen. Die Wirklichkeit
ist komplizierter als ein Parteiprogramm, selbst wenn
es 500 Seiten hat.
Interview: Martin Ludwig Hofmann
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