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Zur
Wahrung der Stabilität in Europa
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Der Nato-Doppelbeschluss |
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Es war eine der größten Demonstrationen, die Bonn je erlebt
hat: der Aufmarsch von 300.000 Anhängern der Friedensbewegung
am 10. Oktober 1981 auf der Hofgartenwiese. Auslöser der Massendemonstration
war der "Nato-Doppelbeschluss", den die Außen-
und Verteidigungsminister vor 25 Jahren am 12. Dezember 1979 in
Brüssel verabschiedeten.
Hatte noch Anfang der 1970er Jahre eine Phase der Entspannung zwischen
den USA und der Sowjetunion zu den SALT-Verträgen geführt,
ließ die Stationierung sowjetischer SS-20-Raketen Befürchtungen über
die strategische Überlegenheit der UdSSR sprunghaft anwachsen.
Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sah
darin eine Gefahr für die Stabilität in Europa: "Wir
Deutschen haben ein vitales Interesse am weiteren Ausbau der beiderseitigen
Rüstungsbegrenzung und Zusammenarbeit mit dem Osten. Aber dies
kann nur auf der Ebene des Gleichgewichtes
ermöglicht werden; auf einer schiefen Ebene müssten Sicherheit
und Zusammenarbeit verloren gehen."
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Demonstranten auf der Bonner Hofgartenwiese,
1981 |
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Der Sowjetunion wurden Gespräche über
den beidseitigen Verzicht dieser Waffen angeboten.
Sollten diese Gespräche
jedoch scheitern, würden Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles
in Westeuropa stationiert. Deshalb drängte Helmut Schmidt auf
die Stabilisierung eines "Gleichgewichts des Schreckens" in
Europa. Nach vielen bündnisinternen Verhandlungen kam es schließlich
zum Nato-Doppelbeschluss.
Der SPD-Koalitionspartner FDP und die CDU/CSU-Opposition unterstützten
Bundeskanzler Schmidt bei seinen Forderungen. So Außenminister
Hans-Dietrich Genscher am 14. Dezember 1979 im Deutschen Bundestag: "Die
Modernisierung der Mittelstreckenwaffen ist die angemessene Antwort
auf die Beeinträchtigung des Gleichgewichts durch die sowjetische
Vorrüstung bei den nuklearen Mittelstreckenwaffen. (Zuruf von
der CDU/CSU: So ist es!) Das Rüstungskontrollangebot will verhindern,
dass sowjetische Vorrüstung und westliche Nachrüstung in
einen neuen Rüstungswettlauf einleiten."
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Nur in den eigenen
Reihen stieß der Bundeskanzler auf Protest. Einige lehnten die
geplanten Stationierungen grundsätzlich ab, andere forderten langjährige
Verhandlungen. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im
Bundestag, Herbert Wehner, schrieb 1979: "Es entspricht nicht
der realen Lage der Bundesrepublik, mit der vorgeblichen
Notwendigkeit zusätzlicher
Waffensysteme zu argumentieren und dabei die Gefahr
heraufzubeschwören,
dass die Bundesrepublik zum Träger solcher Waffensysteme gemacht
würde, statt die Kräfte des Bündnisses in die Waagschale
von Rüstungsbegrenzung und Rüstungsabbau zu bringen." Auf
dem SPD-Parteitag stimmte dennoch die Mehrheit für den Doppelbeschluss - nicht
zuletzt mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen und
den Machterhalt.
Die politische Umsetzung der Beschlüsse löste heftige Protestwellen
aus. In Deutschland brachte die Forderung nach Rüstungskrontrolle
und Abrüstung Millionen auf die Straße, unterstützt
durch Gewerkschaften und kirchliche Kreise. Auslöser war vor allem
die Sorge um ein erneutes Wettrüsten.
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Plakat der Friedensbewegung
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Die Politik blieb davon unberührt. Auch nach dem Sturz von Helmut
Schmidt im Oktober 1982 hielt dessen Nachfolger Helmut
Kohl am Doppelbeschluss fest. Nach dem Scheitern der Verhandlungen
zwischen USA und Sowjetunion
wurden Ende 1983 die ersten Pershing-Raketen stationiert.
Erst fünf Jahre später - am 8. Dezember 1987 - kam
es zur Unterzeichnung des INF-Abkommens, das die Zerstörung sämtlicher
Mittelstreckenraketen vorsah. Damit war auch diese Kontroverse des
Kalten Kriegs beendet.
Meike Rosenplänter
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