|
mm Wann fingen Sie wieder mit der Musik an?
Herold 1977 rief mich Udo Lindenberg an und sagte, ich solle aufhören,
nur in der Badewanne zu singen. Er holte mich nach Hamburg und wir machten zusammen
die Platte "Panische Nächte", auf der auch ein Titel über
mich zu finden ist - Teddy. Danach sollte ich mit ihm auf Tournee gehen.
Das hab ich abgelehnt. Aber ich habe mit ihm zwei große Open-Airs gesungen
in Nürnberg und Karlsruhe.
mm Anfang der 1960er Jahre wurde ein Ted-Herold-Club im Osten Berlins
gegründet. Club-Mitglieder wurden nach Protestaktionen gegen den Mauerbau
zu langen Haftstrafen verurteilt, der Club von der SED verboten. Welche Folgen
hatten diese Ereignisse für Sie?
Herold Direkt keine. Es hieß in der Ost-Presse jedoch, "Ted
Herold zündet Scheune an". Ich hätte meinen Fans im Osten den
Befehl gegeben zu Protestaktionen und hatte doch gar keinen Kontakt zu ihnen.
Ich durfte dann natürlich in der DDR nicht auftreten. Über Elvis, Haley
und mich hieß es dort immer, wir seien von der Musikindustrie versklavte
Negersänger, die imperialistisch ausgenutzt werden.
mm Was unterschied Sie von Ihrem Freund Peter Kraus?
Herold Er war nie ein richtiger Rock´n´Roller, eher ein Weichspüler.
Deswegen hatte er auch mehr die Mädchen auf seiner Seite und ich die Halbstarken.
Doch es gab eine gemeinsame Tournee mit uns beiden. Auf dem Killesberg in Stuttgart
flogen dann die Fetzen. Das heißt, meine Fans machten die Bühne dem
Erdboden gleich, als sie merkten, dass ich nur drei Lieder singen durfte und Kraus
der Star des Abends war. Vater Kraus ist blau angelaufen und der Notarzt musste
kommen. Die Tumulte setzten sich dann in jeder Stadt fort.
mm Sie trafen als Sechzehnjähriger 1958 in Bad Homburg den "King".
Welchen Eindruck hatten Sie von Elvis?
Herold Ich fand ihn sehr zuvorkommend, sehr nett. Er war rank und schlank,
sah sehr gut aus in seiner Uniform und war von zwei Leibwächtern begleitet.
Ich traf ihn in einer Eisdiele in Bad Homburg. Er war erst zehn Tage in seiner
Kaserne in Friedberg. Ich stellte mich ihm vor als Interpret von zwei seiner Lieder.
Er signierte mir später noch meine erste Platte. Doch die Einladung, in meine
Mansardenbude zu kommen und sich die Platte anzuhören, schlug er höflich
aus.
mm Die wilden Hüftschwinger sind in die Jahre gekommen. Wie groß
ist noch das nostalgische Potential beim deutschen Publikum?
Herold Ich würde jetzt vielleicht Gänseblümchen züchten,
wenn das Potential nicht vorhanden wäre. Gott sei Dank bin ich wieder viel
unterwegs. Besonders war und ist die Nachfrage in den neuen Bundesländern
groß. Die Menschen dort konnten mich ja nie sehen. Die stehen manchmal mit
Tränen in den Augen vor mir.
mm Was halten Sie von der aktuell diskutierten Einführung einer
deutschen Quote im Radio?
Herold Ich war mal dafür und dann dagegen. Jetzt bin ich wieder dagegen.
So was sollte sich von selbst regeln. Die guten Sänger, die in den Charts
vorne liegen, die viel verkauft werden, die stehen in den großen Läden
in den Verkaufsregalen. Die Nischen haben aber kaum Platz. Und sie werden nicht
in den Sendern gespielt. Newcomer haben es ganz schwer. Plattenfirmen geben heute
kaum noch Geld aus, um neue Leute auch über längere Zeit zu unterstützen.
Es zählt nur der schnelle Erfolg. Früher sagten die Plattenfirmen, wir
halten an dem Jungen fest, auch wenn seine erste Platte floppt, wir machen eine
zweite und dritte bis er durch ist. Heute geht’s nach dem Motto: Ex oder
hopp.
mm Welche Musikrichtung ist mit dem Rock ’n’ Roll von damals
vergleichbar?
Herold Techno. Ganz klar. Alles andere sind nur Spielarten des Rock ’n’
Roll. Techno das ist ein gesampelter Staubsauger, da sträuben sich bei mir
die Nackenhaare. Ich kann mir gut vorstellen, dass - wenn "Klein Heini"
mit einer Techno-Scheibe nach Hause kommt - sein Alter das überhaupt
nicht mehr versteht. Und so war’s auch in den 1950er und 1960er Jahren.
mm Obligatorische Frage: Lebt Elvis?
Herold Er lebt, klar. In den Herzen seiner Fans wird er immer weiterleben.
Sein Tod, seine exzessive Lebensweise, dass er sich vollgestopft hat mit Uppers
und Downers, seine Umgebung und auch die Ärzte waren mitschuldig an seinem
Tod.
Interview: Markus Stadtmüller
|