4/2004

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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Repression und Widerstand

Symposion in der Reihe "Zeit-Fragen"

Im Mittelpunkt des Symposions "Repression und Widerstand" am 9. Oktober im Zeitgeschichtlichen Forum stand die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte in den realsozialistischen Diktaturen in Osteuropa.

Die Erinnerung und Aufarbeitung der eigenen Geschichte ist notwendig. Darin waren sich die Teilnehmer des Symposiums in der Reihe "Zeit-Fragen" in Leipzig einig. Doch wie geht man am besten mit der Erinnerung um? Diese Frage diskutierten Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Russland und Ungarn. Die vier Nationen haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie müssen sich mit ihrer Vergangenheit als kommunistische Diktatur auseinandersetzen.

Plädoyer für internationale Zusammenarbeit: Symposionsteilnehmer im Forum

Joachim Gauck, erster Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitdienstes betonte die Bedeutung von geschichtlicher Aufklärungsarbeit: Aus "Staatsinsassen" müssten verantwortungsvolle Individuen werden. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde vor allem eines schnell deutlich: Trotz einiger Gemeinsamkeiten ist die Erinnerungskultur in den vertretenen Ländern unterschiedlich und mit verschiedenen Problemen verbunden. Das gilt beispielsweise für die Situation der Museen: Während Deutschland eine hohe Dichte an Erinnerungsstätten hat, gibt es in Polen trotz einer reichen Widerstandsgeschichte weniger Museen, die diese präsentieren. Auch die Akzeptanz der Museen bereitet manche Probleme: Irina Scherbakowa, Mitarbeiterin der Organisation "Memorial" in Moskau, berichtete von Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen und Einschränkungen durch die Zensur. Gábor Kiszely, Fachdirektor des "Hauses des Terrors" in Budapest, musste die Erfahrung machen, dass die Notwendigkeit seines Museums immer wieder angezweifelt wird.

Die Teilnehmer des Symposions plädierten für eine bessere internationale Zusammenarbeit bei der Geschichtsaufarbeitung. "Rein nationales Betrachten führt in die Enge", befürchtet Bernd Faulenbach, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Haus der Geschichte und Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Diskutiert wurde die Frage, welche Gewichtung nationale Erinnerung gegenüber der europäischen einnehmen solle und welchen Erfolg gemeinsame Projekte haben können.

Eine Schwierigkeit sehen die Wissenschaftler in der Vermittlung ihrer Erkenntnisse in der Öffentlichkeit. Oft sei die Wissenschaft sich zwar über Landesgrenzen hinweg einig, die Bevölkerung werde jedoch nicht erreicht. Ganz anders die Zuhörer im Zeitgeschichtlichen Forum: Interessiert verfolgten sie die lebhafte Diskussion und beteiligten sich rege.

Rainer Eckert

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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