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Ein Amerikaner in Deutschland

Neue Ausstellung in der U-Bahn-Galerie

Rund 60 Arbeiten des Fotografen Leonard Freed aus New York zeigt die neue Ausstellung "Ein Amerikaner in Deutschland - Leonard Freed". In der U-Bahn-Galerie werden sie vom 23. September 2005 bis April 2006 präsentiert. Es sind Bilder, die ein Nachkriegsdeutschland zeigen, traumatisiert vom Krieg und zugleich im Aufbau begriffen und dem Fortschritt zugewandt.

Berlin, Checkpoint Charlie: Ein amerikanischer Soldat sitzt auf dem Bordstein und macht Mittagspause. Das Gewehr hat er achtlos neben sich gelegt. Tegernsee: Ein altes Ehepaar besucht seinen Sohn. Der Grabstein auf dem Soldatenfriedhof zeigt dessen Bildnis. Der US-amerikanische Fotograf Leonard Freed reist 1965 nach Deutschland und trifft dort auf eine für ihn fremde Welt. Hin- und hergerissen zwischen Neugier und Distanz beobachtet er Menschen in ihrem sozialem Umfeld. Über seinen Arbeitsstil sagt er: "Je zweideutiger eine Fotografie ist, desto besser ist sie. Sonst wäre sie Propaganda."

An Deutschland fasziniert ihn das Nebeneinander von Tradition und Moderne, Fortschritt und Beharrung. Er dokumentiert die Atmosphäre der Aufbaujahre neben Nischen von Not und Rückständigkeit. Für Freed ist Deutschland ein Land, das trotz Wiederaufbau und Fortschrittsoptimismus an den Folgen von Krieg und NS-Herrschaft leidet. Bezeichnend sind seine Aufnahmen von Kriegsversehrten inmitten einer fröhlich-unbeschwerten Freizeitgesellschaft. Diese Fotos, entstanden 1965, publiziert Freed 1970 in den USA unter dem Titel "Made in Germany". Mitte der 1980er Jahre ist der Amerikaner erneut in Deutschland. Er geht nach Berlin und beobachtet dort den Alltag türkischer Einwanderer zwischen Anpassung, Abgrenzung und Isolation. 1990 wird Freed Zeuge des Mauerfalls, des deutschen Einigungsprozesses und der Veränderungen in der alten und neuen Hauptstadt.

Seit seinem ersten Deutschlandbesuch widmet der Fotograf den jüdischen Gemeinden besondere Aufmerksamkeit. Die Trauer um die Ermordeten ist allgegenwärtig. Doch daneben keimt neue Hoffnung: eine Hochzeit, Kinder, die Grundsteinlegung für den Neubau einer Synagoge. "Deutsche Juden heute" erscheint 1965 unter maßgeblicher Mitwirkung des einflussreichen Grafikers Willy Fleckhaus. "Die stillen, humanen Bilder dieses Buches mögen für sich sprechen", sagt der Journalist Hans Hermann Köper im Vorwort.

Freeds Arbeit findet internationale Wertschätzung. Seit 1972 ist er Vollmitglied der renommierten Fotoagentur Magnum/Paris, in Deutschland vertreten durch die Agentur Focus mit Sitz in Hamburg. In zahlreichen deutschen und internationalen Blättern erscheinen seine Aufnahmen, Galerien und Museen zeigen seine Arbeiten. Die Edition Stemmle in Schaffhausen/Schweiz veröffentlicht 1991 eine umfangreiche Dokumentation des Gesamtwerks.

Angela Stirken

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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