Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

Übersicht  
Titel     
 Flucht, Vertreibung,
 Integration
 Fremde Heimat
 Niedersachsen
 "Überall war Feuer und
 Rauch"
 Ein Kelch vom Heiligen
 Vater
Ausstellungen  
Infothek  
Brennpunkt  
Ausgewählt        
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig        
                       
Karikatur                       
Editorial                      
Archiv                
Termine 4/2005                
Impressum 4/2005                
                       
                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

Fremde Heimat - Niedersachsen

Flüchtlinge und Vertriebene im Landkreis Celle

Ein halbes Jahrhundert alt und sechs Meter lang - die so genannte "Pommernbank". Sie ist eine Leihgabe des Landkreises Celle und des dortigen Kreisarchivs und ist nun in der neuen Wechselausstellung "Flucht, Vertreibung, Integration" in Bonn zu sehen.

So genannte "Pommernbank" mit den Wappen von Belgard und Celle, Ende der 1950er Jahre

Am 16. Mai 1956 wurde in der Lüneburger Heide, in der Nähe des traditionsreichen Lönssteins, die so genannte Pommernbank eingeweiht. Gestiftet von Vertriebenen erinnert die rund sechs Meter lange massive Holzbank an die Patenschaft, die der niedersächsische Landkreis Celle drei Jahre zuvor für den ehemaligen pommerschen Landkreis Belgard und seine jetzt im Westen lebende deutsche Bevölkerung übernommen hatte. Die Initiative für diese Patenschaft war vor allem vom damaligen Celler Oberkreisdirektor Axel Bruns ausgegangen, selbst ein Vertriebener aus dem Kreis Belgard.

Diese Holzbank vermittelte das Kreisarchiv Celle dem Haus der Geschichte für die Ausstellung "Flucht, Vertreibung, Integration". In Celle entstand schon 1999 - in enger Zusammenarbeit von Wissenschaft und Archiv - eine Ausstellung über Flüchtlinge und Vertriebene im Landkreis, die einem bis dahin lange vernachlässigten Thema eine neue öffentliche Präsenz gab. Unter dem Titel "Fremde - Heimat - Niedersachsen" wurde diese Ausstellung zunächst im Bomann-Museum gezeigt und danach von acht weiteren Orten in Niedersachsen übernommen. Diese lokale Ausstellungsarbeit hat sich damit als richtungsweisend erwiesen.

Der Verlust von Heimat und die Suche nach einer neuen Verwurzelung standen im Mittelpunkt dieses Ausstellungsprojekts. Lebensgeschichtliche Interviews in der Stadt und im Landkreis Celle hatten gezeigt, dass die Eingliederung in die neue Heimat trotz aller äußerlichen Erfolge in kaum einem Fall vollständig geschehen ist.

Blick in die Ausstellung in Peine, 2001

An allen Orten, in denen die Ausstellung gezeigt wurde, fand im Vorfeld eine umfangreiche "Spurensuche" statt, um sie durch lokal- und regionalspezifische Bezüge und Exponate auf ihr jeweiliges Umfeld zu beziehen. Dadurch hatte dieses Ausstellungsprojekt einen hohen lokalen Wirkungsgrad. Gesprächskreise, Vortragsveranstaltungen und ein 2001 erschienener Sammelband führten einzelne Ausstellungsthemen weiter aus. Gemeinsam blieb der Schwerpunkt: der schwierige Prozess der Integration in die neue Umgebung sowie die Veränderungen in den Aufnahmeregionen durch den Zustrom der Flüchtlinge und Vertriebenen.

Auf niedersächsischer Ebene wurde Celle zu einem wichtigen Dokumentationszentrum für dieses Thema: Das Kreisarchiv übernimmt die schriftliche Überlieferung, das Bomann-Museum die Objektbewahrung. Viele Flüchtlinge und Vertriebene fanden so Ansprechpartner außerhalb der Vertriebenenorganisationen. Auf wissenschaftlicher Ebene wird das Projekt weiterhin durch das Historische Seminar der Universität von Essex/Großbritannien betreut. Die in diesem Projekt geknüpften Kontakte sowie Ergebnisse der Objektrecherchen sind mittlerweile von anderen Ausstellungsmachern genutzt worden.

Rainer Schulze, University of Essex/Großbritannien

Rainer Voss, Kreisarchiv Celle

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang