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Ein Kelch vom Heiligen Vater

Vertriebenen-Seelsorge im Spreewald

Ein Messkelch war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Gemeinden eine Kostbarkeit. Umso wertvoller das Geschenk von Papst Pius XII, der 1947 einen Messkelch für die katholischen Vertriebenen in Deutschland stiftet. Er steht in der Wechselausstellung "Flucht, Vertreibung, Integration" für die schwierige Zeit des Neuanfangs in Deutschland.

"Das ist unser Papstkelch!" Stolz hält mir die Küsterin im kleinen Spreewalddorf Straupitz ein geöffnetes, dunkelfarbenes Etui entgegen, in dem ein ungeschmückter, schön geformter, goldener Messkelch mit Patene und Löffelchen liegt. "Nein. Nicht weil ein Papst den Kelch einmal benutzt hat, nennen wir ihn so.

Messkelch, gestiftet von Papst Pius XII.

Pius XII. hat ihn unserer Pfarrei geschenkt, damals, gleich nach dem Krieg, als in den 23 Dörfern unserer Pfarrei die vielen Umsiedler angekommen waren, als wir noch keine Kirche hatten und der Sonntagsgottesdienst im evangelischen Gemeindesaal stattfand, als unser Pfarrer mit seiner Haushälterin in zwei gemieteten Zimmern wohnte und wechselweise in acht Dörfern in Schulen, Gasthäusern oder evangelischen Kirchen die Heilige Messe feierte, immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Damals erhielten wir diesen Kelch. Nun haben wir ihn neu vergolden lassen und nehmen ihn nur zur Messfeier an Festtagen." Stolz ist die Gemeinde Straupitz im Oberspreewald, dass sie sich in der folgenden Zeit aus einer Scheune eine kleine Kirche geschaffen hat, wo sie sich jetzt auch ohne Priester versammeln und gern derer gedenken kann, die ihr in sehr schwerer Zeit geholfen haben, würdig die Heilige Eucharistie zu feiern.

Im Archiv des Bistums Görlitz blättere ich einige Tage danach in den Aufzeichnungen des in Görlitz wohnenden Kapitelvikars Dr. Ferdinand Piontek und finde die Abschrift eines Briefes vom 2. Juli 1947: "Heiliger Vater! Für die vier Messkelche, die Eure Heiligkeit durch den Hochwürdigsten H. Bischoff Kaller dem von mir verwalteten Teil der Erzdiözese Breslau zugewandt hat, sage ich in tiefster Ehrfurcht innigsten Dank. (...) Es fehlt an allem zur Feier der hl. Geheimnisse Notwendigen - vor allem an Kelchen. (...)

Provisorische Kirche im Norddeutschland

Sonst bleibt kein anderer Ausweg als ein Glasgefäß zu nehmen. Darum ist die Gabe Eurer Heiligkeit so hochwillkommen und der Dank der beschenkten Seelsorgestellen so tief und herzlich (...)".

Beim Lesen dieses Briefes werden in meinen Gedanken wieder die Bilder wach, wie ich selbst als Ministrant den Pfarrer in entlegene Dörfer mit einem abgenutzten Koffer zur Messfeier begleitete - Vertriebenen-Seelsorge in schwerer Zeit!

Peter C. Birkner

 

Ordinariatsrat Peter C. Birkner recherchierte für die neue Wechselausstellung zahlreiche Exponate.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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