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Persil zwischen halb und acht

Vor 50 Jahren lief der erste Fernsehwerbespot

Werbung ist heute nicht mehr aus dem täglichen Fernsehprogramm wegzudenken. Vor allem die Privatsender finanzieren sich dadurch. Im November vor 50 Jahren ging der erste Werbespot auf Sendung.

Am 3. November 1956 zeigt der Bayerische Rundfunk zum ersten Mal Werbung. In dem kurzem Streifen, der für das Waschmittel Persil warb, treibt der Komiker Beppo Brehm als Waschmittelfanatiker seine Frau, gespielt von Liesl Karstadt, in die Verzweiflung. Mit dem Film der beiden Komiker startet Werbung in Deutschland vergleichsweise spät.

In den USA gibt es seit 1941 Werbung im täglichen Fernsehprogramm. In Großbritannien laufen Spots seit 1954. Die Ausstrahlung ist im deutschen Fernsehen zeitlich begrenzt: Nur zwischen 19:30 und 20 Uhr wird Werbung gezeigt. Die Sendung heißt daher treffend "Zwischen halb und acht". Innerhalb dieses Zeitfensters laufen rund sechs Minuten Werbespots. Zu dieser Zeit gibt es täglich rund vier Stunden Fernsehprogramm.

Die Werbung in den 1950er Jahren ist, wie die Gesellschaft auch, an traditionellen Werten orientiert. Frauen stehen oft im Mittelpunkt, denn sie entscheiden in der Regel über das knappe Haushaltsgeld. Hatten die Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit an Selbstbewusstsein und gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen, predigt die Werbung der 1950er Jahre wieder das traditionelle Frauenbild zwischen Heim und Herd. Produkte wie Tütensuppen, Soßenbinder oder Filterkaffee sollten die Arbeit in der Küche schneller machen und Staubsauger und Wischtücher die Hausarbeit erleichtern. Beworben werden in erster Linie Massengüter wie Wasch- und Reinigungsmittel, Möbel, Kosmetik und Kleidung, aber auch Alkohol, Zigaretten oder Arzneimittel.

"Mahlzeit, die Herrschaften. - Oh, ein
kleines Malheur. Dafür gibt's doch Gott sei
Dank Persil - nicht wahr, gnädige Frau?"

 

"Du machst alleweil gleich ein Trara
und ein Theater, wenn bloß so ein kleines
Fleckerl auf d'Tischdecken kommt. Der
gebildete Mensch sagt nur "Persil" -
"Persil" und nichts anderes."

In den folgenden Jahren nimmt die Fernsehwerbung rapide zu. Und immer mehr Unternehmen erkennen deren Bedeutung. So setzt beispielsweise die Marke Coca-Cola, die schon seit Anfang der 1950er Jahre mit großem Aufwand wirbt, mehr und mehr gezielt auf ein junges Publikum und ist damit Vorreiter bei der zielgruppenspezifischen Werbung. Erste Werbeagenturen nach amerikanischem Vorbild entstehen in Deutschland allerdings erst in den 1960er Jahren.

Ein weiterer Meilenstein der deutschen Fernsehwerbelandschaft ist der 1. Januar 1984: Da beginnt die Ausstrahlung der ersten beiden allein durch Werbung finanzierten Privatsender Sat1 und RTL, die pro Stunde 12 Minuten Werbung senden dürfen.

Heute ist die Werbung einer der bestimmenden Faktoren der Medien und vor allem der Fernsehkultur. Werbung will bei einer definierten Zielgruppe Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Produkt oder eine Marke erzielen. Sie muss also zeitgeistorientiert sein, will sie eben nicht nur auf etwas aufmerksam machen, sondern das Kaufverhalten ihrer Zielgruppe beeinflussen. Das macht Werbung zu einer Zeugin der Geschichte, denn sie legt in pointierter Weise dar, welche Wünsche und Ziele in der Gesellschaft ihrer Zeit vorherrschen. Gleichzeitig aber ist es die hohe Kunst der Werbung, neue Nachfragen zu schaffen; somit beeinflusst sie auch die Geschichte.

Meike Rosenplänter

Die Werbefigur "Renate" bringt in den
Jahren des Wirtschaftswunders, hier 1958,
Dr. Oetker-Produkte im Fernsehen an die
Frau.

 

Dr. Oetker dreht 1956 seinen ersten
Weihnachtsspot mit "Renate".

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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