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 Haus der Geschichte, Bonn

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Editorial

 

Editorial

Deutsche Blickwechsel

Neue Ausstellung in Bonn

Die Vorbereitung unserer neuen Wechselausstellung ruft bei mir Erinnerungen an eine Reise im Winter 1988 nach "drüben" wach. In einer Gruppe aus Nordrhein-Westfalen erlebte ich die DDR aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Zunächst wurde uns Weimar als touristische Vorzeigestadt präsentiert, auf die wir als Westdeutsche einen offiziellen Blick werfen durften. Später gelang es einigen von uns in Erfurt, dem DDR-Reiseleiter zu entkommen und die Stadt selbst zu erkunden. So gewannen wir ungefilterte Eindrücke.

Mein persönlicher Blickwechsel lässt sich in eine Vielzahl unterschiedlicher deutschdeutscher Wahrnehmungen nach 1945 einreihen - dies ist das Thema unserer Ausstellung "drüben. Deutsche Blickwechsel".

"drüben" - dieses geflügelte Wort hatte in den Jahrzehnten der deutschen Teilung vielfältige Bedeutungen. In der DDR stand es für ein unerreichbar scheinendes Land des Wohlstands und der Freiheit, gleichzeitig für den Klassenfeind. In der Bundesrepublik war es sowohl eine etwas abschätzig gemeinte Bezeichnung für die "Ostzone" als auch ein politischer Kampfbegriff gegen Sozialismus und Kommunismus.

Anne Martin, Projektleiterin der Ausstellung "drüben", mit Hans Walter Hütter vor Teilen der Berliner Mauer im Haus der Geschichte der Bundesrepublik

Unsere Ausstellung fragt, wo sich die Deutschen auseinanderlebten und wo sie gemeinsame Gewohnheiten bewahrten. Exponate aus unterschiedlichsten Bereichen - Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Musik und Humor - versinnbildlichen deutsch-deutsche Sichtweisen.

In den Jahren der Teilung entwickelten sich auch Klischees, die bis heute nachwirken, obwohl die Wiedervereinigung in vielen Fällen die Vorstellungen der Menschen vom jeweils anderen Teil Deutschlands durch persönliche Erfahrungen verändert hat. Für die junge Generation ist heute die Trennung von Familien und Freunden und die Besonderheit einer Begegnung im geteilten Deutschland kaum noch vorstellbar.

"drüben. Deutsche Blickwechsel" ist auch ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit innerhalb der Stiftung: Sie ist die erste Ausstellung, die vorrangig im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig erarbeitet wurde, aber zuerst in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Interessante Einblicke in deutsch-deutsche Wahrnehmungsgeschichte erwarten Sie ab dem 8. Dezember 2006 im Haus der Geschichte.

Dr. Hans Walter Hütter
Vertreter des Präsidenten

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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