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Namhafte Publizisten,
Historiker und Schriftsteller
verließen zur Zeit des
eisernen Vorhangs ihre
mittel- und osteuropäischen
Heimatländer. In Leipzig
diskutierten sie über ihre Erfahrungen
und ihr Verhältnis
zu Heimat und Exil.
Das zwanzigste Jahrhundert prägen in der
historischen Erinnerung nicht zuletzt grauenvolle
Kriege, rassistisch begründeter Massenmord,
Flucht, Vertreibung und Emigration. Die Ausbürgerung des aus der DDR kommenden
Liedermachers Wolf Biermann vor 30 Jahren
war Anlass, auf dem diesjährigen Symposion
der Reihe "Zeit-Fragen" im Zeitgeschichtlichen
Forum in Leipzig nach den Erfahrungen von
ostmitteleuropäischen
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Zeitzeugen und Experten
erörterten die Bedeutung
des mittelosteuropäischen
Exils im geteilten Europa:
Erich Loest, Bedrich Loewenstein,
Dieter Bingen, Kazimierz
Wóycicki, György Dalos und
Hannes Schwenger (v.l.n.r.).
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Dissidenten im geteilten
Europa zu fragen.
Dabei war wichtig, dass
es sich um eine Emigration handelte, die mit
so großen Namen wie Pavel Kohout, Leszek
Kolakowski, Milan Kundera, Czeslaw Milocz,
Alexander Solschenizyn oder Paul Goma
verbunden ist. Aber auch die Deutschen Wolf
Biermann, Erich Loest, Reiner Kunze und Jürgen
Fuchs gehören in diese Reihe.
In einem beeindruckenden Vortrag fragte
zuerst Erich Loest danach, ob die aus der DDR
Verdrängten wirklich ihre Heimat verloren
hätten und beschrieb, mit welchen Akzeptanzschwierigkeiten
sie in der Bundesrepublik
kämpften. Letztlich blieben die deutschen
Emigranten jedoch - anders als die osteuropäischen
Dissidenten - im gleichen Sprachraum.
Dies trug auch dazu bei, dass viele von ihnen
nach Wiederherstellung der deutschen Einheit
nicht in den Osten zurückkehrten. Erich Loest
selbst ging nach Leipzig, also in die Stadt, in
der er lange wirkte, zurück und kämpft hier
unter dem Motto "Nichts ist vorbei und nichts
ist vergessen" unverdrossen gegen Ostalgie
und Schönfärberei der Vergangenheit.
Der Westberliner Publizist Hannes Schwenger
war in der Studentenbewegung aktiv und
setzte sich für politische Gefangene in der DDR ein. Er beschrieb, wie schwer und langwierig
es für viele in der Studentenbewegung
der 1960er Jahre war, die Unteilbarkeit von
Bürgerrechten zu akzeptieren. An Sympathien
für die herrschenden realsozialistischen Diktaturen
in seiner neuen Heimat erinnerte sich
auch Bedrich Loewenstein. Er war aus Prag
nach West-Berlin geflohen, wo er nur wenig
Aufmerksamkeit und Solidarität erfuhr.
Für alle Emigranten in der Diskussionsrunde
stellte sich die kontrovers diskutierte Frage
nach der "wirklichen" Heimat. Vielleicht sei, so
der Budapester Schriftsteller György Dalos, für
die Dissidenten Europa die Heimat gewesen.
Die Vorgänge in ihrer "alten Heimat" nicht nur
zu beobachten, sondern auch zu beeinflussen,
war für alle Dissidenten im Exil entscheidend.
In diesem Sinne war für den polnischen Historiker
Kazimierz Wóycicki der Dissident sogar "der eigentliche Bürger".
Alle ehemals im Exil lebenden Podiumsteilnehmer
riefen am Ende des Symposions dazu
auf, aus ihrem Schicksal zu lernen. Die Einsicht,
Emigranten heute zu unterstützten und
sich in der Tradition der friedlichen Revolutionen
für die demokratische Entwicklung einzusetzen,
gelte es auch im heutigen Deutschland
zu stärken und zu verbreiten.
Rainer Eckert
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