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Am 1. Oktober 1982 brachten
die Fraktionen von CDU/CSU
und FDP einen Antrag auf ein
konstruktives Misstrauensvotum
gegen Bundeskanzler
Helmut Schmidt (SPD) im
Deutschen Bundestag ein.
Der Regierungswechsel gelang,
Helmut Kohl wurde mit
256 gegen 235 Stimmen bei
vier Enthaltungen zum neuen
Bundeskanzler gewählt.
Anfang der 1980er Jahre hatten sich in der
seit 1969 bestehenden sozial-liberalen Koalition
die Auseinandersetzungen zwischen SPD
und FDP gemehrt. Ein Streitpunkt zwischen
den Koalitionsparteien waren wirtschaftliche
Fragen: Die Arbeitslosenzahl stieg, das Bruttosozialprodukt
sank, die Inflation wuchs. Zu den
wirtschaftlichen Problemen kam die Debatte
um den NATO-Doppelbeschluss, den große
Teile der SPD im Gegensatz zu Bundeskanzler
Helmut Schmidt nicht mittragen wollten.
Die Auseinandersetzungen gipfelten in
einem 34 Seiten langen Thesenpapier, das
Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff
am 9. September 1982 vorlegte. Darin
forderte er Eingriffe in den Sozialstaat, um die
Wachstumsschwäche zu überwinden und die
Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Bundeskanzler
Helmut Schmidt wies die Vorschläge als „unglaubliche Provokation“ zurück,
eine Entlassung von Otto Graf Lambsdorff bahnte sich
an. Daraufhin erklärten Außenminister Hans-Dietrich Genscher
und weitere drei Minister
ihren Rücktritt.
„Politik der Erneuerung“
Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler
am 1. Oktober 1982 kündigte Helmut Kohl
eine „Politik der Erneuerung“ an. In seiner
Regierungserklärung vom 13. Oktober 1982
diagnostizierte er eine „geistig-moralische
Krise“, die es zu überwinden gelte. Vor allem
aber sollten die wirtschaftlichen Probleme
gelöst und die Grundlagen der deutschen Außen-
und Sicherheitspolitik erneuert werden.
Die Integration Europas voranzutreiben, war
ein weiteres Ziel.
Der christlich-liberalen Koalition gelang es
in den 1980er Jahren mit ihren Wirtschaftsreformen
innerhalb weniger Jahre, das Wirtschaftswachstum
wieder anzukurbeln, die
Inflation nachhaltig zu senken und die öffentliche Verschuldung zu
reduzieren. Die internationalen
Rahmenbedingungen, wie der Verfall
des Ölpreises Mitte der 1980er Jahre, unterstützten
den Aufschwung. Trotz der positiven
Entwicklung gelang es allerdings nicht, die Arbeitslosenzahlen
nachhaltig zu senken.
Besonderes Augenmerk legte Helmut Kohl
auf die Verbesserung der deutsch-amerikanischen
und deutsch-französischen Beziehungen.
Die Regierungskoalition verabschiedete
1983 im Bundestag die Umsetzung des
NATO-Doppelbeschlusses.
Mit dem französischen Staatspräsidenten
François Mitterrand verband Helmut Kohl eine
persönliche Freundschaft, die sich positiv auf
die beiderseitigen Beziehungen und die
europäische
Integration auswirkte. Der Vertrag
von Maastricht 1992 bedeutete einen großen
Schritt hin zu einem gemeinsamen Europa;
die Einführung einer gemeinsamen Währung
wurde festgeschrieben.
Die umwälzenden politischen Veränderungen
in den Ländern des Ostblocks, besonders
die Wahl Michail Gorbatschows zum
Generalsekretär der KPdSU, bereiteten den
Boden für das Ende des Kalten Krieges und
schließlich die deutsche Einheit. Massenflucht
und mutige Demonstrationen der Menschen
in der DDR untergruben das Fundament
der
SED.
Helmut Kohl nutzte die Gunst der Stunde.
Mit seinem 10-Punkte-Programm setzte
er Ende
November 1989 die deutsche Einheit auf
die Tagesordnung der internationalen
Politik,
die am 3. Oktober 1990 Wirklichkeit wurde.
Ohne Zweifel wird Helmut Kohl als „Kanzler
der Einheit“ in den Geschichtsbüchern
seinen Platz finden. Wie Historiker zukünftig
seine Regierungszeit beurteilen werden,
die
1998 nach 16 Jahren mit der Wahlniederlage
gegen Gerhard Schröder zu Ende ging, bleibt
abzuwarten.
Meike Rosenplänter
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