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„Ansichten zu Deutschland“

Nachruf auf Konrad Hoffmeister

Die Gesellschaft in Krisen- und Übergangszeiten zu porträtieren, war das erklärte Ziel der zwischen 1990 und 1995 entstandenen Fotoserie des Ost-Berliner Fotografen Konrad Hoffmeister. Neben „Normalbürgern“ offenbarten Prominente ihre ganz persönliche Sicht auf Deutschland und gaben Auskunft über die deutsche Gesellschaft der „Nachwendezeit“.

Ausgangspunkt für den Fotografen war die Zeit der friedlichen Revolution 1989. Der Fall der Mauer und der politische Umbruch ließen viele individuelle Biografien ins Wanken geraten. In vielen Fällen musste die eigene Lebensplanung völlig neu überdacht werden. Den tiefgreifenden persönlichen Veränderungen wollte Hoffmeister nachgehen und sie mit seinem Medium, der Fotografie, darstellen. Dazu lud er ab Frühjahr 1990 Menschen aus seiner Nachbarschaft und in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten wie den Schriftsteller Walter Jens in sein Atelier ein. Hoffmeister ließ einen Kommentar zu Deutschland spontan auf einen Karton niederschreiben und fotografierte dann Text und Person vor einem neutralen Hintergrund.

Die Vielfalt der geäußerten Ansichten ergibt ein komplexes Stimmungsbild Deutschlands nach der Vereinigung. Ängste und Hoffnungen, Enttäuschungen und Aufbruchstimmung spiegeln sich in Hoffmeisters Porträts wider. Der Reiz von „Ansichten zu Deutschland“ liegt auch in der Kombination von Porträt und Text. Jeder Porträtierte inszenierte sich und seine persönliche Meinung auf eine ganz markante Art.

Seit 2000 sind die „Ansichten zu Deutschland“ auf Reisen. In neun Orten hat die Wanderausstellung seitdem Station gemacht und die Diskussion politischer Entwicklungen und privater Empfindungen immer wieder neu entfacht und kommentiert.

Jürgen Reiche

„Die deutsche Einheit ist wie eine Ehe“, das Ehepaar Klaus Sühl und Bärbel Romanowski-Sühl, fotografiert von Konrad Hoffmeister im Jahr 1994

 

Konrad Hoffmeister wurde 1926 in Berlin geboren. Er studierte Fotografie und Reprotechnik an der Kunstgewerbe- und Handwerksschule in Magdeburg. Bis 1989 war sein Hauptarbeitsfeld die Bilddokumentation großer baulicher Vorhaben in der DDR. Im Juni 2007 ist Konrad Hoffmeister in Berlin verstorben.

 

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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