05/2011

 

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Aussicht auf Frieden

Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder zur Afghanistan-Konferenz 2001

Im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn fand vom 27. November bis zum 5. Dezember 2001 die UN-Konferenz zur Koordinierung des politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus Afghanistans statt. Nach dem Sturz der Taliban 2001 hatten die Delegierten auf dem Petersberg vor allem ein Ziel: die Grundlagen für einen stabilen, demokratischen Staat zu schaffen. An der ersten Konferenz nahmen vier Delegationen verschiedener afghanischer Gruppierungen teil. Sie verabschiedeten das Petersberger Abkommen, das einen Stufenplan zur Machtübergabe an eine demokratisch legitimierte Regierung vorsah. Mit dem Abkommen wurde der sogenannte Petersberg-Prozess eingeleitet, der zur Demokratisierung und Befriedung des Landes führen sollte. Seitdem war eine Internationale Schutztruppe (ISAF) unter NATO-Führung am Hindukusch im Einsatz.

mm Herr Schröder, mit welchen Plänen sahen Sie der Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 entgegen?

 

Schröder Das Ziel der Konferenz war, dass nach all den Jahren von Krieg, Terror und Not die Afghanen eine Perspektive auf Frieden und wirtschaftlichen Aufbau erhalten sollten.

mm Welche Verhandlungspunkte waren besonders schwierig?

 

Schröder Schwierig war es, die unterschiedlichen Interessen der Stämme unter einen Hut zu bekommen. Vor allem über die Zusammensetzung der Übergangsregierung gab es Streit. Ich will auch die Rolle des damaligen Außenministers Fischer hervorheben, der einen großen Beitrag zum Ergebnis der Konferenz geleistet hat.

mm An welche besonderen Vorkommnisse während der Konferenz erinnern Sie sich?

 

Schröder Mir sind die Bilder noch vor Augen. Beeindruckt war ich vor allem von den Teilnehmern. Mancher in seiner Stammestracht erweckte den Eindruck, als sei er gerade den Kämpfen in Afghanistan entronnen.

mm Waren Sie mit dem Ergebnis der Konferenz zufrieden?

 

Schröder Ja, auch wenn mir klar war, dass aus Afghanistan keine Westminster-Demokratie werden würde. Es ging darum, den Afghanen eine Perspektive zu geben. Wenige Monate nach der Konferenz habe ich in Kabul eine neu eröffnete Mädchenschule besucht. Die Mädchen haben dort voller Freude gelernt. Das war ihnen von den Taliban verwehrt worden. Heute gehen zwei Millionen Mädchen zur Schule. Bei aller – auch berechtigten – Kritik am Afghanistan-Einsatz dürfen wir diese Erfolge nicht vergessen.

mm Nach zehn Jahren findet in diesem Jahr wieder eine Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg statt – symbolträchtig unter afghanischem Vorsitz. Wo liegt der Unterschied zur Konferenz von 2001?

 

Schröder Die Konferenz im Dezember 2011 soll einen Beitrag leisten, damit die Afghanen selbst die Verantwortung für ihr Land übernehmen. Die internationale Gemeinschaft muss ihr militärisches Engagement in Afghanistan beenden, zugleich aber weiterhin ihrer Verantwortung gerecht werden, damit sich Afghanistan stabil entwickelt und der Wiederaufbau fortgesetzt werden kann.





In der Rubrik „ausgewählt“ stellen bekannte Persönlichkeiten ein Exponat vor, mit dem sie besondere Erinnerungen verbinden.

 

 

Teilnehmerausweis für Delegierte der Afghanistan-Konferenz 2001

 

 

 

 

Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder

Interview: Ulrike Zander