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Ob Franz Josef Strauß ganz privat mit Tochter oder Gerhard Schröder in Siegerpose auf
dem Podium – die Mediendemokratie nutzt eindringliche und emotionale Bilder als Mittel
der politischen Kommunikation. Von der Dominanz der Bilder in Wahlkämpfen und
im politischen Alltag in Deutschland seit 1945 berichtet seit dem 13. Juni 2008 eine
neue Ausstellung in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte in Bonn.
Im Zeitalter der visuellen Massenkommunikation werden politische Inhalte verstärkt
durch einen personenbezogenen Wahlkampf vermittelt. Die großen Parteien setzen dies
seit Anfang der 1950er Jahre in ihren Kampagnen um, allen voran die CDU. Bereits
1953 warb sie mit ihrem Spitzenkandidaten Konrad Adenauer, den sie als Garanten für
Wiederaufbau und Westintegration mit emotionalen Bildern inszenierte. 1957 reichte allein
Adenauers Konterfei mit dem Slogan „Keine Experimente“ auf den Plakaten aus.
Im Auftrag der Parteien begannen Meinungsforscher und Werbeagenturen auf Basis
wissenschaftlicher Umfragen die Wahlkämpfe zu planen und zu begleiten: Mit professioneller
Hilfe startete die SPD 1961 nach dem amerikanischen Vorbild des Wahlkampfs von John
F. Kennedy eine umfassende Imagekampagne für Willy Brandt. Dieser sollte zur Symbolfigur
eines modernen Deutschlands aufgebaut werden.
Originell oder heikel
Seit den 1960er Jahren prägte vor allem das Fernsehen als Leitmedium die öffentliche
Meinung. Fernsehdebatten boten eine gute Gelegenheit, das positive Image der eigenen
Spitzenkandidaten zu festigen und den Gegner zu diskreditieren. Besonders hohe Einschaltquoten
verzeichnete zwischen 1969 und 1987 die „Elefantenrunde“: eine Fernsehdiskussion
der Parteivorsitzenden am Wahlabend. Seit 2002 nehmen die Fernsehduelle der beiden
Kanzlerkandidaten diese Rolle ein.
Werden einerseits die Medien dazu benutzt, Wahlkampf zu betreiben, machen sie
es andererseits mit ihrer ständigen Gegenwart den Politikern schwer, sich zu behaupten: Die
eigene Person muss kontinuierlich positioniert und der Sympathiewert gesteigert werden.
Ob in staatsmännischer oder volkstümlicher Pose – Politiker suchen nach Originalität, um
die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen, etwa wenn Renate Künast beweist, dass
sie den „richtigen Biss“ hat, indem sie einen Apfel konsumiert. Sachpolitik droht hinter
Handlungen und Zeichen zurückzutreten.
Zuweilen erweist sich der Kampf um die politische Macht mit Hilfe von emotionalen
Bildstrategien selbst für Polit-Medienstars als heikel. Misslingt die Selbstdarstellung, wird sie
ungewollt zur Karikatur: Genaueres Hinsehen offenbart dem Betrachter oftmals Mehrdeutigkeiten
und unbeabsichtigte Details.
Im Vorfeld des Wahljahres 2009 bietet die Ausstellung mit ausgewählten Fotografien aus
den Beständen des Presse- und Informationsamtes sowie der Deutschen Presse Agentur
(dpa) die Möglichkeit zu vielfältigen kritischen Rückfragen: Welche Werbung spricht den
Wähler heute an? Kann sich der Wähler unabhängig von den in den Medien verbreiteten
Bildern der Politiker eine politische Meinung bilden? Die Ausstellung ist demnach eine gute
Vorbereitung auf den kommenden Wahlkampf, wenn es wieder heißen wird: „Auf die Bilder
kommt es an!“.
Tuya Roth / Jens Scholten
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