3/2008

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Auf die Bilder kommt es an!

Wahlkampf und politischer Alltag in Deutschland seit 1945

Ob Franz Josef Strauß ganz privat mit Tochter oder Gerhard Schröder in Siegerpose auf dem Podium – die Mediendemokratie nutzt eindringliche und emotionale Bilder als Mittel der politischen Kommunikation. Von der Dominanz der Bilder in Wahlkämpfen und im politischen Alltag in Deutschland seit 1945 berichtet seit dem 13. Juni 2008 eine neue Ausstellung in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte in Bonn.

Im Zeitalter der visuellen Massenkommunikation werden politische Inhalte verstärkt durch einen personenbezogenen Wahlkampf vermittelt. Die großen Parteien setzen dies seit Anfang der 1950er Jahre in ihren Kampagnen um, allen voran die CDU. Bereits 1953 warb sie mit ihrem Spitzenkandidaten Konrad Adenauer, den sie als Garanten für Wiederaufbau und Westintegration mit emotionalen Bildern inszenierte. 1957 reichte allein Adenauers Konterfei mit dem Slogan „Keine Experimente“ auf den Plakaten aus. Im Auftrag der Parteien begannen Meinungsforscher und Werbeagenturen auf Basis wissenschaftlicher Umfragen die Wahlkämpfe zu planen und zu begleiten: Mit professioneller Hilfe startete die SPD 1961 nach dem amerikanischen Vorbild des Wahlkampfs von John F. Kennedy eine umfassende Imagekampagne für Willy Brandt. Dieser sollte zur Symbolfigur eines modernen Deutschlands aufgebaut werden.

Originell oder heikel

Seit den 1960er Jahren prägte vor allem das Fernsehen als Leitmedium die öffentliche Meinung. Fernsehdebatten boten eine gute Gelegenheit, das positive Image der eigenen Spitzenkandidaten zu festigen und den Gegner zu diskreditieren. Besonders hohe Einschaltquoten verzeichnete zwischen 1969 und 1987 die „Elefantenrunde“: eine Fernsehdiskussion der Parteivorsitzenden am Wahlabend. Seit 2002 nehmen die Fernsehduelle der beiden Kanzlerkandidaten diese Rolle ein.

Werden einerseits die Medien dazu benutzt, Wahlkampf zu betreiben, machen sie es andererseits mit ihrer ständigen Gegenwart den Politikern schwer, sich zu behaupten: Die eigene Person muss kontinuierlich positioniert und der Sympathiewert gesteigert werden. Ob in staatsmännischer oder volkstümlicher Pose – Politiker suchen nach Originalität, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen, etwa wenn Renate Künast beweist, dass sie den „richtigen Biss“ hat, indem sie einen Apfel konsumiert. Sachpolitik droht hinter Handlungen und Zeichen zurückzutreten.

Zuweilen erweist sich der Kampf um die politische Macht mit Hilfe von emotionalen Bildstrategien selbst für Polit-Medienstars als heikel. Misslingt die Selbstdarstellung, wird sie ungewollt zur Karikatur: Genaueres Hinsehen offenbart dem Betrachter oftmals Mehrdeutigkeiten und unbeabsichtigte Details.

Im Vorfeld des Wahljahres 2009 bietet die Ausstellung mit ausgewählten Fotografien aus den Beständen des Presse- und Informationsamtes sowie der Deutschen Presse Agentur (dpa) die Möglichkeit zu vielfältigen kritischen Rückfragen: Welche Werbung spricht den Wähler heute an? Kann sich der Wähler unabhängig von den in den Medien verbreiteten Bildern der Politiker eine politische Meinung bilden? Die Ausstellung ist demnach eine gute Vorbereitung auf den kommenden Wahlkampf, wenn es wieder heißen wird: „Auf die Bilder kommt es an!“.

Tuya Roth / Jens Scholten

Bundesarbeitsminister Norbert Blüm wartet beim Papstbesuch in Berlin am Brandenburger Tor auf Johannes Paul II., 1996

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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