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Bonn
Zeichen. Sprache ohne Worte
Im Jahr 2011 hat die Stiftung Haus der Geschichte viele Zeichen gesetzt: Angefangen bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung in Bonn am 23. Mai, über die Wechselausstellung „Mit 17 … Jung sein in Deutschland“ im Juli und die neue Berliner Dauerausstellung im „Tränenpalast“ im September, bildete die Ausstellungseröffnung „Zeichen. Sprache ohne Worte“ am 8. Dezember den Abschluss eines überaus erfolgreichen Jahres des Hauses der Geschichte.
„Versuchen Sie sich zu erinnern: Wie viele Zeichen haben Sie heute verwendet?“, fragte Stiftungspräsident Hans Walter Hütter am Eröffnungsabend der Ausstellung „Zeichen. Sprache ohne Worte“ und erklärte weiter: „Mit einem Kuss haben Sie sich heute morgen von Ihren Liebsten verabschiedet, im Anzug oder Kostüm oder mit der richtigen Krawatte wollten Sie Ihre berufliche Seriosität unterstreichen. (...) Und auf dem Weg hierher haben Sie vielleicht eine eindeutige Geste in Richtung eines Autofahrers gemacht, der Sie waghalsig überholt hat oder – wie es auch häufig passiert – viel zu langsam fuhr. Den haben Sie bereits am Hut als schlechten Fahrer erkannt.“ Ob Kuss, Kleidungsstück oder Geste – die Ausstellung „Zeichen“ sensibilisiert dafür, wie wir uns über Zeichen verständigen, verstehen oder missverstehen.
Ohne Worte
Beschäftigte sich die Ausstellung „man spricht Deutsch“ vor drei Jahren im Haus der Geschichte noch mit dem Wandel der deutschen Sprache, so greift „Zeichen“ die nonverbale Kommunikation auf. Jetzt steht die Sprache der Zeichen mit ihren unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten und Botschaften im Zentrum. Sowohl im Alltag, in der Kultur als auch in der Politik werden wir täglich mit Zeichen konfrontiert, unterliegen ihrer suggestiven Kraft und „Bildsprache“, die es zu deuten gilt. Mit rund 600 Fotografien, interaktiven Stationen, Medieninstallationen und Objekten veranschaulicht die Ausstellung „Zeichen“ das weite Feld der nonverbalen Kommunikation und verstärkt das Bewusstsein dafür, genauer hinzusehen: Wie stellte sich beispielsweise der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg während seiner Amtszeit in den Medien dar? Als Heimatverbundener, Pilot oder Politiker? Wie auch immer Sie sich entscheiden – die Ausstellung gibt Ihnen Gelegenheit, sich „Ihren eigenen Guttenberg“ zusammenzustellen. Oder welchen Einfluss hat eine Uniform auf den Menschen, der sie trägt? Der Künstler Erwin Wurm zeigt mit seinem überdimensionierten „Police Cap“, wie groß die Bedeutung von Uniformen für den Einzelnen sein kann, so dass sogar der Kopf darunter verschwindet.
Klare Signale?
Aber nicht nur in den Bereichen der Politik, der Macht oder des Protestes zeigt die Ausstellung, wie sich in bewusst gesetzten Zeichen auch Weltanschauung, Identifikation und Kommunikationsverhalten verdichten. „Zeichen geben auch Auskunft über die soziale Gemeinschaft, in der sie verwendet werden, über deren Wünsche und Ängste“, so Hütter. Die Körpersprache sei ein wichtiges Ausstellungsthema, da jeder unausgesprochen permanent ein Bild von sich selbst vermittele. Das bestätigte Moritz Freiherr Knigge, der als Urahn von Adolf Freiherr Knigge zur Ausstellungseröffnung über „wertschätzende“ Umgangsformen sprach: „Was ich sehr früh gelernt habe ist, dass man selbst Menschen, die man liebt, nicht ändern kann. Aber was ich ändern kann, bin ich selbst.“ Da der Mensch ununterbrochen kommuniziere und interpretiere, sei es wichtig, im Umfeld positiv wahrgenommen zu werden und diesem wohlwollend gegenüberzustehen. Dem anderen in Gesprächen genau zuzuhören, ihm zugewandt zu sein, sei ein wichtiger Ausgangspunkt, um positive Zeichen zu setzen.
Doch machen Sie sich selbst ein Bild davon, wie Sie Zeichen geben und diese interpretieren. Bis zum 15. April 2012 zeigt die Ausstellung „Zeichen. Sprache ohne Worte“, dass diese Einordnung nur über den jeweiligen Kontext möglich ist – oder wussten Sie, warum Sie im Bundeskanzleramt besser keinen Grünstift verwenden sollten?