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Als am 3. Mai 1953 die Deutsche Welle den Rundfunkbetrieb aufnahm, sollte sie Hörern im Ausland ein umfassendes Bild der noch jungen Bundesrepublik vermitteln.
Heute empfangen täglich mehrere hundert Millionen Nutzer weltweit über Radio, Fernsehen und Internet ihre Programme. Zum Grundanliegen gehört es nach wie vor,
in Staaten mit eingeschränkter Presse- und Meinungsfreiheit unabhängige Informationen zu verbreiten. Dazu zählt insbesondere auch die Nachrichtenversorgung
von Menschen, die in Krisenregionen leben. Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle, zeigt im Gespräch, warum die Deutsche Welle auch im „globalen
Dorf“ unverzichtbar ist.
mm Als „Stimme Deutschlands in der Welt“ begann die Deutsche Welle vor 55 Jahren ihren Hörfunkbetrieb. Hat sich das inhaltliche
Profil bis heute verändert?
Bettermann Zunächst war das oberste Ziel des deutschen Auslandsrundfunks, das Verhältnis Deutschlands zur internationalen Staatengemeinschaft
„zu entkrampfen“, wie der damalige Bundespräsident Theodor Heuss es beim Sendestart 1953 formulierte. In der Zeit der Blockkonfrontation war die
Deutsche Welle Teil der Systemauseinandersetzung und diente vielen Menschen jenseits des „Eisernen Vorhangs“ als geistiger Haltegriff. Auch in Afrika,
Asien und Lateinamerika machte sie sich einen Namen als viel beachtete Stimme Deutschlands. In dieser Zeit hat sie ihre hohe Glaubwürdigkeit erworben, die ihre
Angebote in Hörfunk, Fernsehen und Internet bis heute genießen. Nach der deutschen Wiedervereinigung reflektierte sie die dramatischen Veränderungen im Inneren
Deutschlands und seine neue außenpolitische Rolle. Die Anschläge vom 11. September 2001 haben in der öffentlichen Wahrnehmung einen neuen Akzent gesetzt:
Seither stehen partnerschaftliches Miteinander und Dialog der Kulturen im Mittelpunkt. Die Ereignisse zeigen: Deutschland muss auf den internationalen Meinungsmärkten
gut aufgestellt sein.
mm Im Zeitalter von Internet und Satellitenfernsehen können auch ARD und ZDF weltweit empfangen werden. Welche zusätzliche Perspektive bringt die
Deutsche Welle als Auslandssender ein?
Bettermann Wer die Welt verstehen will und in der Welt verstanden werden möchte, muss ihre Vielfalt reflektieren. Die Deutsche Welle bietet ein
multimediales Informationsangebot in 30 Sprachen. Wir setzen dabei auf ein multinationales Team von rund 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus mehr als 60
Ländern. Sie sind der Garant dafür, dass Ereignisse und Entwicklungen - ob in Deutschland, Europa oder der übrigen Welt - aus unterschiedlichen Perspektiven
betrachtet werden. Entsprechend vielfältig wird in den Medienangeboten der Deutschen Welle berichtet, analysiert und kommentiert: eher hintergründig und erläuternd,
weniger mit Fokus auf innenpolitische Verlaufsberichterstattung. Unsere Kernzielgruppe sind Entscheidungsträger und andere Multiplikatoren im Ausland mit Interesse
an Deutschland und Europa. Unsere Perspektive zählt in vielen Teilen der Welt, das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.
mm 2003 zog die Zentrale der Deutschen Welle in den Schürmann-Bau nach Bonn. Wie wirkt sich die Nachbarschaft zum Haus der Geschichte auf die
Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen aus?
Bettermann Durch die nachbarschaftliche Nähe ist die Zusammenarbeit noch intensiver geworden. Beide Einrichtungen profitieren von den
wechselseitigen Stärken. Es ist eine Partnerschaft im Sinne der Vermittlung eines authentischen, umfassenden Deutschlandbildes. In der Berichterstattung über die
laufenden Ausstellungen machen wir die Prägung deutscher Wirklichkeit, Lebensweise und Mentalität anschaulich, zeigen, wie wir wurden, was wir sind. In gemeinsamen
Veranstaltungen führen wir unsere komplementären Expertisen zusammen.
Interview: Magdalena Zeller
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Mit dem „Köln-Kabul-Express“ startet die Deutsche Welle 1962 eine Reportagetour, hier auf Stimmenfang vor dem Tourbus in Köln.
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Erik Bettermann, seit 2001 Intendant der Deutschen Welle
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