|
Kein Güterverkehr, kein Strom, keine Lebensmittel: In der Nacht zum 24. Juni 1948 schnitten sowjetische Truppen West-Berlin von den Westzonen ab. Durch die Berlin-Blockade
sollten die Westmächte gezwungen werden, auf die geplante Gründung eines Weststaates zu verzichten. Die Weichenstellungen für zwei deutsche Teilstaaten und zu einer
eingemauerten Inselstadt West-Berlin wurden spätestens 1948/49 gestellt. Die Währungsreform am 20. Juni 1948 in den drei Westzonen Deutschlands nahm die Sowjetunion
lediglich zum Anlass für die Abriegelung Berlins.
„Trotz Verdunkelung - Wir Berliner bleiben helle“ hieß es 1948 in der Westberliner Bevölkerung, obwohl sie aufgrund der Sperrung der Zufahrtswege auf
Versorgungsgüter und die Stromlieferung aus Ostberliner Kraftwerken verzichten musste. Nur wenige nutzten das Angebot, im Ostsektor der Stadt Lebensmittel zu beziehen –
die Versorgungslage in Ost-Berlin sah nicht besser aus. Der Mangel im Alltag war groß: Mit täglich nur zwei Stunden Strom, am Sonntag einer Stunde, musste jeder Berliner
Haushalt auskommen. Die Menschen durchsuchten Keller und Speicher nach Geräten, die auch ohne Elektrizität funktionierten. Nahrungsmittel waren ebenso knapp wie
Brennstoffe. Die Versorgungsengpässe sollten - so das Kalkül der Sowjets – die Solidarität der Westberliner mit den Westalliierten schwächen und diese zum Rückzug aus
Berlin zwingen. Doch das Gegenteil trat ein.
„Fliegende Güterzüge“
Auf Befehl von US-General Lucius D. Clay wurde am 25. Juni 1948, einen Tag nach Blockadebeginn, eine Luftbrücke eingerichtet. Mit der „Operation Vittles“
(Operation Lebensmittel) brachten die Flugzeuge der Westalliierten neben Nahrungsmitteln hauptsächlich Kohle sowie Benzin und Medikamente nach Berlin. Den
Lebensmitteln wurde, soweit möglich, Wasser entzogen, um Gewicht zu sparen. Drei Luftkorridore stellten „Einbahnstraßen“ dar, in denen die Flüge
koordiniert werden mussten. Jeder Pilot hatte nur einen Landeversuch. Wenn dieser misslang, musste er mit der gesamten Ladung wieder zurückfliegen. Nur so war
es möglich, in Berlin alle drei Minuten ein Flugzeug auf den Boden zu bringen. Insgesamt flogen die Piloten der Luftbrücke von Juni 1948 bis Mai 1949 2,3 Millionen
Tonnen Fracht ein. Auf ihren Rückflügen beförderten die Luftbrückenmaschinen auch Personen, so dass 50.000 Kinder auf diese Weise die Westzonen erreichten. 41
britische und 31 amerikanische Piloten sowie acht deutsche Helfer verloren für den „Auftrag Luftbrücke“ ihr Leben.
Konfrontation der Alliierten
Die Spannungen zwischen den vier Besatzungsmächten Deutschlands hatten sich von Mai 1945 bis zum Frühjahr 1948 verschärft. Das Bestreben des sowjetischen Diktators
Josef Stalin, Berlin seinem Einflussbereich zuzuschlagen, war immer offensichtlicher geworden: „2. April 1948. (…) Am Brandenburger Tor und anderen Übergangsstellen
vom russischen zu den westlichen Sektoren stehen sowjetische Soldaten (…). Die Stadt fiebert vor Unruhe“, so der Tagebucheintrag einer Zeitzeugin kurz vor der
Berlin-Blockade.
Die Luftbrücke kennzeichnete eine neue politische Konstellation: Aus ehemaligen Besatzungsmächten wurden Schutzmächte für die westdeutsche Bevölkerung.
Angesichts des mit der Luftbrücke demonstrierten Willens, West-Berlin nicht der Sowjetunion zu überlassen, endete die Blockade in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1949.
Erleichtert strömten noch am selben Tag hunderttausende Berliner zu einer Kundgebung vor das Rathaus Schöneberg. Konrad Adenauer, Präsident des Parlamentarischen Rates
der Westzonen, unterstrich, dass der „Kalte Krieg“ in Europa durch die Berlin-Blockade endgültig seinen Lauf genommen hatte: „Berlin ist eine
vorgeschobene Bastion nach dem Osten; man hat sie fast ein Jahr vergeblich berannt.“
Ulrike Zander
|
 |
|
Bei Stromsperre werden alte Tretbohrer der Jahrhundertwende wieder zu Arbeitsinstrumenten der Zahnärzte.
|
| |
 |
|
Capt. Eugene T. Williams wirft Süßigkeiten für Berliner Kinder ab. „Candy-Bombers“ oder „Rosinenbomber“ nannten die Berliner
die Militärmaschinen, die sie mit Lebensmitteln versorgten.
|
|