Inhalt
Infothek Bonn
Zu Recht sind die Bonner stolz auf das Palais Schaumburg, auf den Kanzlerbungalow, den Plenarsaal des Bundesrates sowie die historischen Räume des Kanzleramtes – Orte, an denen die Besucher der Geschichte, die hier geschrieben wurde, näherkommen. Nun öffnete das letzte historische Gebäude dieses Ensembles seine Türen: Das kleine Teehaus, das Bundeskanzler Konrad Adenauer 1955 errichten ließ, ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und erinnert nach umfangreicher Sanierung an die Bescheidenheit der frühen deutschen Demokratie.
Denn die Ruhe, die der unmittelbar am Rheinufer gelegene Pavillon ausstrahlt, lässt gut nachvollziehen, warum sich Bundeskanzler Konrad Adenauer so gerne hierher zurückzog. Im Teehaus fand er in dem nur 25 Quadratmeter kleinen Innenraum ein wenig Abstand von den hektischen Staatsgeschäften: Bei einer Tasse Tee konnte Adenauer über die politischen Zusammenhänge nachdenken oder diese in privaten Gesprächen mit Staatsgästen oder Pressevertretern diskutieren. „Konradsruh“, wie es bald im Volksmund hieß, schuf einen kleinen Rückzugsort aus dem Politikbetrieb, hatte – ohne Telefonanschluss, ohne jeglichen Luxus – nicht mehr und nicht weniger zu bieten als ein Stück Privatheit.
Die Fundamente des Teehauses am Rhein sind schon über 100 Jahre alt. Ein privater Eigentümer hatte es errichtet und als Teehaus genutzt, bevor es im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Auf Anregung Konrad Adenauers wurde 1955 ein neuer Pavillon als Teehaus gebaut. Seine beruhigende Wirkung erhofft sich Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), auch für die zukünftige Nutzung: „Wir freuen uns, gemeinsam mit dem Haus der Geschichte den Park, den Kanzlerbungalow und das Teehaus für Veranstaltungen öffnen und nutzen zu können.“
Regelmäßige Teehausgespräche über entwicklungspolitische Themen werden ebenso dazu gehören wie die beliebten Besucherrundgänge durch den Park, die das Haus der Geschichte durchführt. Das BMZ ist zusammen mit der Wüstenrot Stiftung für die finanzielle Seite der Restaurierung verantwortlich. „Wir möchten das kulturelle Erbe bewahren“, so der Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung Philip Kurz.
Begleitungen können beim Besucherdienst des Hauses der Geschichte (Tel.: 02 28-91 65 400) gebucht werden. Bitte frühzeitig anfragen.

Im Rahmen des Museumsmeilenfestes vom 23. bis 26. Juni 2011 präsentierte sich das Haus der Geschichte in Bonn mit einem neuen Gesicht. Im Zentrum stand dabei die im Mai unter dem Motto „(Fast) alles neu“ wiedereröffnete Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“. Öffentliche Begleitungen oder „Ask-me“-Stationen zu den neuen Elementen der Ausstellung gaben den Besuchern ebenso interessante Einblicke wie lebhafte Spielszenen zu Ereignissen der Zeitgeschichte, die von Schauspielern des Taktil-Theaters dargestellt wurden – vom Volksaufstand am 17. Juni 1953 bis hin zur Bürgerrechtsbewegung im Jahr 1989. Unter dem Leitsatz „Mein Lieblingsobjekt im Haus der Geschichte“ konnten die Besucher schließlich ihr bevorzugtes Objekt unter den rund 7.000 Exponaten der Dauerausstellung fotografieren lassen und im „Riesengästebuch“ kommentieren. Die Auftritte zweier Coverbands zu moderner Pop- und Rock ’n’ Roll-Musik komplettierten musikalisch die lebendige Atmosphäre des Museumsmeilenfestes im Haus der Geschichte.
Es hatte einen guten Grund, warum die ehemalige ZDF-Korrespondentin Fides Krause-Brewer (2. v.re. vorn) ihr neues Buch „Journalistin ist man immer. Meine Erinnerungen an das 20. Jahrhundert“ am 6. Oktober 2011 gerade im Haus der Geschichte in Bonn vorstellte. Die Autorin erklärte in ihrer unverwechselbaren Art, Zusammenhänge für jeden verständlich auf den Punkt zu bringen: „Ich hatte die Möglichkeit, bei vielen wichtigen politischen Ereignissen dabei zu sein und sie mitunter hautnah zu verfolgen; und ich legte Zeugnis ab von dem, was ich sah und erlebte.“ Somit habe Krause-Brewer als Zeitzeugin im doppelten Sinne ein Buch der erforschten, erlebten und gestalteten Geschichte geschrieben, meinte Prof. Dr. Ursula Lehr. Die ehemalige Bundesfamilienministerin sprach mit Fides Krause-Brewer über ihr Leben im 20. Jahrhundert, in dem sie es als erste Frau in den Medien bis zur Wirtschaftskorrespondentin beim ZDF gebracht hatte. Über 35 Jahre lang begleitete die Journalistin die politischen Entwicklungen der Bundesrepublik und lernte Politiker wie Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Franz Josef Strauß oder Helmut Schmidt kennen.
Als „Institution“ hatte sie Norbert Blüm einmal bezeichnet - wer sich selbst nicht mehr an Fides Krause-Brewer als Garant für niveauvolle politische Berichterstattung erinnert, wird durch die Lektüre ihres Buches nachvollziehen können, was Blüm damit meinte.

Musik spielte im Kanzlerbungalow von jeher eine große Rolle: Ludwig Erhard und seine Amtsnachfolger luden mehrfach zu Konzerten ein, bei denen unter anderen Emil Gilels und Mstislaw Rostropowitsch auftraten. Helmut Schmidt hatte am musikalischen Leben im Kanzlerbungalow besonderen Anteil. Er war ein exzellenter Pianist, der nicht nur Gäste zu Konzerten in den Kanzlerbungalow einlud, sondern auch selber musizierte und sogar Schallplatten mit Pianisten wie Christoph Eschenbach oder Gerhard Oppitz aufnahm. Seit der umfassenden Sanierung des Kanzlerbungalows im Jahr 2009 veranstaltet das Beethoven Orchester Bonn in Kooperation mit der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an diesem historischen Ort Kammerkonzerte mit internationalen Spitzenensembles. Am 9. November 2011 wurde im Kanzlerbungalow an den 22. Jahrestag des Mauerfalls erinnert. Zu Gast war das Nash Ensemble of London, das Werke von Alexander Borodin, Antonín Dvorák und Johannes Brahms spielte.
> www.beethoven-orchester.de