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Infothek Leipzig

„Brückenschlag zwischen Leipzig und Danzig“ – unter diesem Motto nahmen am 9. Oktober 2011 rund 25.000 Menschen in Leipzig am Lichtfest teil und feierten den 22. Jahrestag der friedlichen Revolution. Der thematische Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf Polen und der im August 1980 gegründeten freien Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc sowie der Widerstandsbewegung in den 1980er Jahren. Polen war das erste Land, welches an einem „Runden Tisch“ die Opposition an der Macht beteiligte, und gilt daher als wichtiger Ausgangspunkt für die Umwälzungen in Mittelost-Europa.
9. Oktober in Leipzig
Der „Brückenschlag zwischen Leipzig und Danzig“ wurde im Zeitgeschichtlichen Forum durch die Kooperation mit dem Polnischen Institut verwirklicht. Dabei wurde ein besonderes Veranstaltungsprogramm geboten: Erstmalig fand „Die lange Nacht der Zeitgeschichte. Erinnerungen an den Herbst ´89“ statt, in der alle Ausstellungen im Zeitgeschichtlichen Forum bis 23 Uhr geöffnet blieben. Am Nachmittag hatten Familien die Möglichkeit, Laternen für das Lichtfest zusammen mit dem Kreativzentrum Grünau e. V. zu basteln. Weiterhin konnten große und kleine Besucher in der Dauerausstellung bei der „Mission Westpaket“ ein Paket mit Produkten aus der Bundesrepublik Deutschland erkunden: erst erfühlen, dann auspacken und den Unterschied der Lebensverhältnisse in Ost und West verstehen lernen.
Zusätzlich gab der Dokumentarfilm „Dzieci rewolucji – Kinder der Revolution“ Einblicke in die antikommunistische Opposition in Warschau, Prag, Budapest sowie Ost-Berlin und thematisierte die Frage, ob die mittelosteuropäischen Revolutionen des Jahres 1989 „ihre Kinder gefressen“ haben.
Einen gelungenen Ausklang der „langen Nacht der Zeitgeschichte“ bildete am Abend das Konzert von Karolina Glazer und ihrer polnischen Band. Die Jazz-Sängerin setzte ihre außergewöhnliche Stimme auch als Musikinstrument ein, präsentierte Jazz-Standards und eigene Kompositionen, die sich unter anderem an arabischen Skalen, afrikanischen Rhythmen und indischer Musik orientierten.
Mit mehr als 3.000 Ausstellungsbesuchen im Zeitgeschichtlichen Forum zeigte „Die lange Nacht der Zeitgeschichte“, dass der 9. Oktober für die Leipziger ein wichtiger Tag der Erinnerung an die friedliche Revolution ist.

„Polen hat uns ein neues Bild von Bürgern vermittelt, die ihr Leben in die eigenen Hände nehmen“ – so beschrieb Stephan Bickhardt die Bedeutung der Solidarnosc-Bewegung für die Opposition in der DDR. Der evangelische Theologe und Mitbegründer der Gruppe „Demokratie Jetzt“ gehörte zu den Teilnehmern der Podiumsdiskussion „Macht es wie die Polen!“, die am 4. Oktober 2011 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig stattfand. Die Kooperationsveranstaltung mit dem Polnischen Institut Leipzig und dem Europäischen Solidarnosc Zentrum Gdansk (ECS) brachte Bürgerrechtler aus Polen und der DDR zusammen: Neben Stephan Bickhardt diskutierten Maria Zadencka, ehemals Mitglied der polnischen Studentenbewegung, Christian Dietrich, in den 1980er Jahren in der unabhängigen Friedens- und Bürgerrechtsbewegung in Leipzig aktiv, sowie der Publizist Andrzej Stach. Er hatte damals in seinen Schriften die polnische Bevölkerung über die Verhältnisse in der DDR aufgeklärt. Moderiert durch Markus Pieper von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes sprachen die Bürgerrechtler über persönliche Erfahrungen im Kontext der damaligen politischen Situation. Alle waren sich darin einig, dass die Ereignisse der 1980er Jahre in Polen wie ein Katalysator für die Entwicklungen in der DDR gewirkt hatten.

Unermüdlich trieb Udo Lindenberg in den 1980er Jahren sein Vorhaben voran, mit seiner Band in der DDR auf Tournee zu gehen. Sein Wunsch sollte sich erst einige Wochen nach dem Mauerfall erfüllen – die ausverkauften Konzerte waren Höhepunkt einer ganz besonderen deutsch-deutschen Rockromanze. Bei Udo Lindenbergs erstem und einzigen DDR-Auftritt im „Palast der Republik“ in Ost-Berlin 1983 war der Fotograf Herbert Schulze vor Ort. 1989 begleitete Schulze den Sänger unter anderem durch den Osten Berlins zur Mauer am Brandenburger Tor. Ein weiteres Wiedersehen zwischen Lindenberg und Schulze gab es schließlich im Januar 2011, als das Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ am Potsdamer Platz in Berlin Premiere feierte. Aus all diesen Begegnungen mit Udo Lindenberg stellte der Fotograf und Zeitzeuge Schulze einen Bildband zusammen. Am 15. September 2011 präsentierte er das Buch „Udo Lindenberg: Wir wollen doch einfach nur zusammen sein. Eine deutsch-deutsche Rockromanze“ zusammen mit dem Autor Torsten Wahl im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Die Buchvorstellung wurde ergänzt durch Anekdoten und Hintergrundinformationen des Wahlleipzigers Arno Köster, der unter anderem für die Udo-Lindenberg-Stiftung arbeitet