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Nachdem Julia Franck für ihr neuestes Buch „Die Mittagsfrau“ im Oktober 2007 den Deutschen Buchpreis erhalten hat, könnte sie 500 Lesungen am
Stück halten, so viele Anfragen hat derzeit die junge Autorin. Daher freute es die Bonner besonders, dass Franck am 4. März 2008 zu einer Lesung ins Haus
der Geschichte kam. Sie las aus dem inzwischen in 25 Sprachen übersetzten Werk den Prolog und stellte sich anschließend den Fragen der interessierten Zuhörer.
Vor allem Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg wollten von Franck wissen, wie stark ihre persönliche Verbundenheit mit der Geschichte des Romans sei, in dem ein
Junge kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von seiner Mutter auf dem Bahnhof in Stettin ausgesetzt wird. „Ja, meine Familie war im Kopf anwesend,
als ich schrieb“, bekannte Franck. Im Verlauf des Abends stellte sich heraus, dass der Roman noch weitaus autobiografischer ist: Julia Franck erzählte,
dass das Buch grundsätzlich die Geschichte ihres Vaters beschreibe, der von seiner Mutter auf einem Bahnhof westlich der Oder-Neiße-Grenze ausgesetzt wurde und
damit das Grauen des Verlassenwerdens erlebt hatte. Aufzuzeigen, dass es für die Handlung der Mutter keine monokausale Erklärung geben könne, sondern dass ein
Spektrum an Erfahrungen die Mutter zu dieser Tat bewogen haben muss, sei ihr Ziel gewesen, so Franck.
Ulrike Zander
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