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„Wehe denen, die Schaden zu tun trachten …, weil sie die Macht haben.“ Dieses Bibelzitat
findet sich in einem Fotoalbum von 1968, das seit kurzem in der Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen
Forums Leipzig präsentiert wird. Das Album erinnert mit bisher unveröffentlichten
Fotos an jene bleibende Wunde im Bewusstsein vieler Leipziger Bürger,
welche die Sprengung der Universitätskirche St. Pauli am 30. Mai 1968 gerissen hat.
Das Fotografieren und Filmen der Sprengung war streng verboten. Nur wenige wagten
es, diese staatliche Handlung mit versteckter Kamera zu dokumentieren. Erst nach 1989
konnten Fotos und Schmalfilme über die Sprengung der Leipziger Universitätskirche
öffentlich zugänglich und seit 1999 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig präsentiert
werden. Nun sind neue, bisher unbekannte Fotos hinzugekommen: Amateurfotograf Hans
Bleier, damals Geschäftsführer des Schreibwarenwerks Garant, hatte 1968 vom Turm der
Thomaskirche die Sprengung fotografiert.
Die Paulinerkirche
Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs unversehrt geblieben, wurde die Paulinerkirche
23 Jahre später Opfer eines politischen Willküraktes: Walter Ulbricht, erster Sekretär
des Zentralkomitees der SED, drängte auf ihre Zerstörung, da sie nicht zu seinen Plänen einer
sozialistischen Stadt(um)gestaltung passte. Mit der Sprengung wollte er zugleich die Kirche
als Institution in die Schranken weisen und die Verbreitung christlicher Gedanken in der
DDR einschränken. Angesichts des „Prager Frühlings“ in der Tschechoslowakei, wo sich
die tschechoslowakische Kommunistische Partei unter Alexander Dubcvek im Frühjahr 1968
bemühte, ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzusetzen, reagierte
die SED nervös. Oppositionelle Bestrebungen in der DDR wurden im Keim erstickt.
Verbotene Fotografien
Hans Bleier wurde auf dem Turm der Thomaskirche nicht entdeckt. Noch am 30. Mai
1968 sandte er den belichteten Film per Post zu Verwandten nach Frankfurt am Main, um
die verbotenen Bilder von der Sprengung der Paulinerkirche vor der Staatssicherheit in Sicherheit
zu bringen. Später schenkte er einigen guten Freunden in Leipzig Abzüge der Bilder.
Im März 2008 erinnerte sich die Leipzigerin Christiane Sommerfeld aufgrund eines
Zeitungsartikels über die Sprengung der Paulinerkirche an Fotografien aus dem Nachlass
ihres Vaters Rudolf Daniel. Dieser hatte als einer der Freunde Hans Bleiers die ihm übergebenen
Abzüge in ein Fotoalbum geklebt und jedes von ihnen mit kommentierenden Bibelsprüchen
versehen. Auf diese Weise entstand ein historisches Dokument, das nicht nur von
der Sprengung, sondern auch von der Trauer vieler Menschen über den Verlust der Paulinerkirche
zeugt. Christiane Sommerfeld übergab ihren wertvollen Fund dem Zeitgeschichtlichen
Forum Leipzig, wo das Fotoalbum nun – 40 Jahre nach der Zerstörung der Universitätskirche
– im Original zu sehen ist.
Bernd Lindner
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Fotoalbum mit Aufnahmen von der Sprengung der Paulinerkirche am 30. Mai 1968
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Christiane Sommerfeld (M.) übergibt dem Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig Rainer Eckert (r.)
und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Bernd Lindner (l.) das Fotoalbum ihres Vaters.
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