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Bei der Vorbereitung unserer neuen Wechselausstellung fühlte ich mich manchmal in das Wohnzimmer
meiner Eltern zurückversetzt. Dort stand während meiner Kindheit eine damals moderne Musiktruhe,
in der auch eine Sammlung von „Single“-Schallplatten verwahrt wurde. Ihnen verdanke
ich meine ersten Begegnungen mit dem Schlager.
In unserer neuen Wechselausstellung „Melodien für Millionen. Das Jahrhundert des Schlagers“
zeigen wir einen Musikschrank, der dem Möbelstück aus meiner Kindheit ähnelt. Die persönliche
Erinnerung - das verdeutlicht die Ausstellung auf vielfältige Weise - wird so zu einem Teil der
deutschen Schlagergeschichte im 20. Jahrhundert. Zahlreiche Menschen verbinden mit dieser Musik
emotionale Erlebnisse oder soziale Ereignisse. Schon eine Melodie kann ein konkretes Erlebnis, eine
Textzeile ein bestimmtes Lebensgefühl ins Gedächtnis rufen.
Anhand einer großen Zahl von Originalexponaten veranschaulicht die Ausstellung, dass Schlager stets
auch Spiegel des Zeitgeistes und Seismografen gesellschaftlicher Entwicklungen sind. Schlager reagieren
auf kulturelle Veränderungen und bringen gesellschaftliche Wünsche zum Ausdruck. Als kommerzielle
Massenprodukte sind sie zudem weder von den technologischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert noch von
einem vermarktungsorientierten Starkult zu trennen. Auch politisch vereinnahmt und instrumentalisiert zu
werden, blieb dem Schlager in seiner Geschichte nicht erspart: Die nationalsozialistischen Machthaber
beispielsweise förderten den „artgemäßen“ Schlager und verfolgten jüdische Musiker,
Komponisten und Textdichter. Das DDR-Regime unterstützte eine „sozialistische“ Musik, um
westliche Produkte fernzuhalten.
In der Ausstellung erleben Sie den Schlager somit als ein ebenso geschichtsträchtiges wie emotionales
Phänomen. Auf Ihren Besuch freuen wir uns!

Dr. Hans Walter Hütter Präsident und Professor
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Am gläsernen Flügel von Udo Jürgens: Hans Walter Hütter (r.) zusammen mit Hanno Sowade,
Projektleiter der Ausstellung „Melodien für Millionen. Das Jahrhundert des Schlagers“,
und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Martin Lücke (M.)
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