1/2010

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Ausgewählt

 

40 Jahre Trimm-Dich

Sport für alle

mm Herr Dr. Bach, haben Sie sich damals auch von Trimmy, dem Maskottchen der Trimm-Dich-Aktion, animieren lassen, einen der neuen Trimm-Dich-Pfade zu benutzen?

Bach Damals war ich bereits als Fechter aktiv, ich musste also nicht mehr zum Sporttreiben motiviert werden. Waldläufe zählten zum Trainingsalltag, und dabei sind wir auch über Trimm-Dich-Pfade gerannt.

mm Welches Ziel verfolgte die Trimm-Dich-kampagne? War sie erfolgreich?

Bach Ein Teilzeil der Aktion war, die Zahl der Übergewichtigen zu verringern. Zudem sind Geselligkeit, Spaß, Leistungsfreude, Körpererleben und Wettkampf ebenso gute Motive, sich zu bewegen. Dies gilt bis heute. Über allem steht die Idee „Sport für alle“, die seit den 1970er Jahren richtungsweisend für die Gestaltung der Kampagnen des deutschen Sport-Dachverbandes ist. Wenn eine Gesellschaftskampagne einen Bekanntheitsgrad wie „Trimm Dich – durch Sport“ erlangt, dann ist sie ein Erfolg.

mm Dieser Erfolg zeigte sich auch darin, dass in zahlreichen Städten und Gemeinden sogenannte Trimm-dich-Pfade eingerichtet wurden. Zwischenzeitlich soll es mehr als 1.500 dieser Pfade gegeben haben. Wie erklären Sie das nachlassende Interesse?

Bach Die Trimm-Dich-Pfade waren kein Bestandteil der Kampagne. Sie wurden von einem Unternehmen initiiert, das sich als Trittbrettfahrer an die Bewegung angehängt hatte. Dass der Trimm-Pfad so bekannt wurde, ist der hohen Popularität der Trimm-Kampagne zu verdanken. Mit der Trimm-Bewegung wurde der Grundstein für die Entwicklung von Lauftreffs gelegt. Davon gibt es heutzutage Tausende. Von daher ist das Interesse ungebremst.

mm Höhepunkt der Kampagne waren die Olympischen Spiele 1972 in München. 94 Prozent der bundesrepublikanischen Bevölkerung kannten damals die Aktion. Was war das Erfolgsrezept?

Bach Die Freude an der Bewegung, an der Geselligkeit beim Sport und an der Leistungsfreude. Sport für alle ist nach wie vor ein großes Thema. Der DOSB ist mit 27,5 Millionen Mitgliedschaften die größte Personenvereinigung Deutschlands. Hinzu kommt, dass Olympische Spiele etwas Einzigartiges sind. Durch die Trimm-Dich-Bewegung konnte jeder Teil dieser sportlichen Großveranstaltung werden. Auf solch einen Schub für den deutschen Sport hoffen wir auch bei der Bewerbung Münchens um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018.

mm Die Zahl der Übergewichtigen und Herzinfarktgefährdeten steigt weiter. Ist es für den DSOB nicht an der Zeit, eine neue Trimm-Dich-Aktion zu starten?

Bach Unser Ziel als DOSB ist es, gemeinsam mit unseren 91.000 Vereinen weitere attraktive Angebote im Sinne des Sports für alle zu schaffen. Dabei spielt der Gesundheitsaspekt eine wichtige Rolle. Allerdings konkurriert der Sport auch mit einer immer größer werdenden Anzahl an alternativen Freizeit- und Gesundheitsangeboten.

mm Mit interaktiven Computerspielen auf der Konsole Wii wird versucht, den Breitensport ins Wohnzimmer zu holen. Löst der Bildschirm den Sport im Stadtwald ab?

Bach Nein. Computerspiele werden nie den echten Sport ersetzen können. Das gute Gefühl, gemeinsam mit Gleichgesinnten Sport zu treiben, kann man sich nicht vor dem PC holen. Solche Videospiele können aber für den Sport begeistern und zum Sport motivieren.

In der Rubrik „Ausgewählt“ stellen bekannte Persönlichkeiten ein Exponat vor, mit dem sie besondere Erinnerungen verbinden.

Am 16. März 1970 startete der Deutsche Sportbund die Kampagne „Trimm-Dich – durch Sport!“. In zahlreichen Städten und Gemeinden wurden sogenannte Trimm-Dich-Pfade im Wald eingerichtet, in denen Stationsschilder die jeweiligen Übungen beschrieben.


Dr. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wurde 1976 Florett-Olympiasieger, 1976 und 1977 Teamweltmeister.

Interview: Ulrike Zander

 

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