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Infothek Bonn |
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Neue Publikation: Der Kanzlerbungalow |
Alles begann 1963 mit dem Wechsel des Bundeskanzleramtes
von Konrad Adenauer zu Ludwig Erhard. Erstmals stellte
sich die Frage nach einer angemessenen Dienstwohnung für
den Bundeskanzler. Adenauer hatte auch als Bundeskanzler in
seinem Haus oberhalb des Rheintals in Rhöndorf unweit von
Bonn gewohnt. Erhards Reihenhaus auf dem Bonner Venusberg
war wenig repräsentativ und bot keine Möglichkeit, Gäste
zu empfangen. Ein neues Wohn- und Empfangsgebäude
für den Bundeskanzler im offenen Stil der Moderne wurde
geplant und gebaut.
Über dieses bedeutende Beispiel westdeutscher Nachkriegsarchitektur,
seine Geschichte als Lebens- und Repräsentationsraum
der deutschen Bundeskanzler bis 1999, seine
Revitalisierung und neue Nutzung berichtet nun die umfangreiche
Publikation „Kanzlerbungalow“. Herausgegeben
von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland und der Wüstenrot Stiftung ist das Buch im
Prestel Verlag erschienen.
Keine Spur von Pomp und Glanz
„Der Kanzlerbungalow könnte zu einem profanen Wallfahrtsort
werden“, meinte Friedhelm Ost, Staatssekretär a.D. und
ehemaliger Leiter des Presse- und Informationsamtes
der Bundesregierung, bei der
Buchpräsentation „Kanzlerbungalow“
am 12. November 2009. Dieser Bau sei
als Schauplatz der Geschichte ein großartiges
Beispiel der öffentlichen Aufmerksamkeit
und der Bescheidenheit.
Als ideale Ergänzung zum Bundeskanzleramt
und Palais Schaumburg
fanden hier historische
Begegnungen statt, bei denen wichtige Entscheidungen getroffen wurden. Über den
Zusammenhang zwischen Architektur und Politik berichten in
dem neuen Band zum Kanzlerbungalow die Architekturkritiker
Prof. Dr. Wolfgang Pehnt und Dr. Heinrich Wefing, die sich
mit den Themen „Gebaute Diplomatie – Der Kanzlerbungalow
in seiner Zeit“ und „Der Kanzlerbungalow im internationalen
Vergleich“ auseinandersetzen. Im Gegensatz zu Bauten wie
dem Weißen Haus in Washington oder dem Élysée-Palast
in Paris wirkte der Kanzlerbungalow in Bonn eher klein und
unscheinbar. Doch er entsprach der Vorstellung vom modernen
Wohnen, die der Bauherr Ludwig Erhard pflegte. Bei der
Einweihung und Schlüsselübergabe würdigte er das Bauwerk
mit den Worten: „Nicht die Repräsentation ist das Entscheidende
hier, sondern die menschliche Begegnung.“
Das sehen die bisher über 23.000 Besucher, die seit der
Öffnung des revitalisierten Kanzlerbungalows im Frühjahr
2009 die Begleitungen nutzen, heute nicht anders. Eine
kleine Ausstellung im Gebäude informiert über die ehemalige
Nutzung des Bungalows. Darüber hinaus finden sich in der
neuen Publikation „Kanzlerbungalow“ Beiträge von dem Historiker
Prof. Dr. Udo Wengst und dem ehemaligen Leiter der
Dienststelle Bonn des Bundeskanzleramtes, Dr. Volker Busse.
Dr. Judith Koppetsch gibt außerdem einen Einblick in die öffentliche
Diskussion um den Kanzlerbungalow. Als Geschäftsführer
der Wüstenrot Stiftung, die für die Revitalisierung des
Gebäudes im Rahmen ihres Denkmalprogramms zuständig
war, äußern sich Georg Adlbert sowie der Präsident der Stiftung
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
Prof. Dr. Hans Walter Hütter, zur aktuellen und künftigen Nutzung
des Kanzlerbungalows.
Ulrike Zander
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Ein Stück Geschichte in Bonn
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Ein Stück Geschichte in der Bundesstadt: Die ehemaligen Bonner und jetzigen Berliner Wirte Friedel Drautzburg (l.)
und Harald Grunert (2.v.l.) spendeten der Deutschen Welle (DW) und der Stadt Bonn ein Originalstück der Berliner Mauer.
„In vielen Städten gibt es Teile der Mauer, die meisten sogar in den USA, aber keines in Bonn“, erklärte Grunert, der zusammen
mit Drautzburg in der Hauptstadt die Gaststätte „Ständige Vertretung“ („StäV“) betreibt. Die 3,60 Meter hohe und 3,8 Tonnen
schwere Dauerleihgabe steht nun vor dem DW-Funkhaus. Drei Originalstücke seien auch im Haus der Geschichte zu sehen,
erklärte dessen Präsident, Prof. Dr. Hans Walter Hütter, bei der Enthüllung. Der Künstler Ben Wagin gestaltete das Mauerteil aufwendig
als Stele. Neben einer Eisenkette steht auf der einen Seite „Wende Mauer endet“ geschrieben, auf der anderen „Todes Mauer Krieg“,
wobei die drei Wörter jeweils drei Mal neu zusammengestellt werden. Ein Foto mit den drei nicht bearbeiteten Mauerstücken aus dem
Haus der Geschichte überreichte Hütter (r. neben Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle) den Spendern Grunert und Drautzburg.
Max Heier
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Lesen verbindet Kulturen |
„Mit der Buchmesse Migration möchten wir Brücken zwischen den Kulturen
bauen“, so Dr. Hidir Celik. Der Schriftsteller und Initiator der siebten Buchmesse Integration verwies damit bei der Eröffnung im Haus der Geschichte in Bonn auf die
Signale, die von der Veranstaltung ausgehen sollen: Lesen verbindet die Kulturen. Offenbar nicht nur das Lesen, denn die Zuhörer waren auch von der multikulturellen Nachwuchstanzgruppe
„B-Stars“ begeistert. Im Foyer des Hauses der Geschichte konnten sich die Besucher zudem an zahlreichen Bücherständen informieren und schmökern.
Dazu fanden an vier Tagen unter dem Motto „Vielfalt erlesen und erleben – und mitmischen!“ viele Veranstaltungen statt. In Fachtagungen ging es etwa am
19. November 2009 um „Deutschland – Zukunft der Flüchtlinge“, am 21. November war das Thema „Mehrsprachigkeit und Elementarpädagogik“
und tags darauf wurde über „Frauenrechte = Migrantinnenrechte?!“ diskutiert. Zudem gab es auf der Messe Lesungen für Schulklassen, Vorträge und einen
vielfältigen Afrikatag: Autoren stellten ihre Bücher vor, es gab ein afrikanisches Buffet und zum Abschluss wurde mit der Band „Bonn – Afrika“ gefeiert.

Max Heier
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Wiedervereinigung aus französischer Sicht |
Überzeugend widerlegte die französische Historikerin Hélène Miard-Delacroix in ihrem Vortrag „Frankreich und die deutsche Wiedervereinigung“ im Haus der Geschichte am 4. Dezember 2009 die landläufige Meinung, dass der westliche Nachbar gegen ein vereintes Deutschland gewesen sei. Der französische Staatspräsident François Mitterand sei sehr wohl für ein vereintes Deutschland gewesen - jedoch mit einigen Einschränkungen. „Die an Kälte grenzende Ruhe Mitterands“, erklärte die Professorin für Deutschland-Studien an der Pariser Universität Sorbonne, sei häufig falsch gedeutet worden. Frankreich habe sich in einer schwierigen Lage befunden. Vor allem die Medien hätten im Zuge der deutschen Wiedervereinigung die Gefahr einer neuen Großmacht gesehen. Trotzdem hätten sich „die Franzosen insgesamt über die Deutsche Einheit gefreut“, so Miard-Delacroix.
Max Heier
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Dichterfürsten unter sich: Goethe und Schiller
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Der Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski
gab am 3. Dezember 2009 bei seiner Lesung im Haus
der Geschichte Einblicke in die Beziehung der wohl
bekanntesten deutschen Klassiker: Sein Buch „Goethe und
Schiller: Geschichte einer Freundschaft“ behandelt die nicht
immer einfache Beziehung zwischen den bedeutenden
Dichtern und Denkern. „Es war wirklich eine Freundschaft“,
sagte Safranski, und kein Mythos der Nachwelt. Mit
Anekdoten aus dem Weimarer Umkreis unterhielt Safranski
seine Zuhörer über die Lesung hinaus: So überrage das
Denkmal von Johann Wolfgang von Goethe in Weimar
die Statue von Friedrich Schiller. In der Realität sei jedoch
Schiller um einen Kopf größer als sein zehn Jahre älterer
Freund gewesen. Das erste persönliche Treffen der
beiden habe zudem gar nicht von Literatur gehandelt.
Bei einem Vortrag in Jena habe Goethe vor allem über sein
Lieblingsthema „Metamorphosenlehre bei Pflanzen“
gesprochen, erzählte Safranski. Diese Ausführungen habe
Schiller jedoch als fixe Idee abgetan. Der Anfang einer
„wunderbaren Freundschaft“ zwischen zwei Gelehrten, die
laut Safranski keineswegs „ein Herz und eine Seele“ waren.
Max Heier
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© 2010 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |
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