1/2010

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Neue Publikation: Der Kanzlerbungalow

Alles begann 1963 mit dem Wechsel des Bundeskanzleramtes von Konrad Adenauer zu Ludwig Erhard. Erstmals stellte sich die Frage nach einer angemessenen Dienstwohnung für den Bundeskanzler. Adenauer hatte auch als Bundeskanzler in seinem Haus oberhalb des Rheintals in Rhöndorf unweit von Bonn gewohnt. Erhards Reihenhaus auf dem Bonner Venusberg war wenig repräsentativ und bot keine Möglichkeit, Gäste zu empfangen. Ein neues Wohn- und Empfangsgebäude für den Bundeskanzler im offenen Stil der Moderne wurde geplant und gebaut.

Über dieses bedeutende Beispiel westdeutscher Nachkriegsarchitektur, seine Geschichte als Lebens- und Repräsentationsraum der deutschen Bundeskanzler bis 1999, seine Revitalisierung und neue Nutzung berichtet nun die umfangreiche Publikation „Kanzlerbungalow“. Herausgegeben von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der Wüstenrot Stiftung ist das Buch im Prestel Verlag erschienen.

Keine Spur von Pomp und Glanz

„Der Kanzlerbungalow könnte zu einem profanen Wallfahrtsort werden“, meinte Friedhelm Ost, Staatssekretär a.D. und ehemaliger Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, bei der Buchpräsentation „Kanzlerbungalow“ am 12. November 2009. Dieser Bau sei als Schauplatz der Geschichte ein großartiges Beispiel der öffentlichen Aufmerksamkeit und der Bescheidenheit. Als ideale Ergänzung zum Bundeskanzleramt und Palais Schaumburg fanden hier historische Begegnungen statt, bei denen wichtige Entscheidungen getroffen wurden. Über den Zusammenhang zwischen Architektur und Politik berichten in dem neuen Band zum Kanzlerbungalow die Architekturkritiker Prof. Dr. Wolfgang Pehnt und Dr. Heinrich Wefing, die sich mit den Themen „Gebaute Diplomatie – Der Kanzlerbungalow in seiner Zeit“ und „Der Kanzlerbungalow im internationalen Vergleich“ auseinandersetzen. Im Gegensatz zu Bauten wie dem Weißen Haus in Washington oder dem Élysée-Palast in Paris wirkte der Kanzlerbungalow in Bonn eher klein und unscheinbar. Doch er entsprach der Vorstellung vom modernen Wohnen, die der Bauherr Ludwig Erhard pflegte. Bei der Einweihung und Schlüsselübergabe würdigte er das Bauwerk mit den Worten: „Nicht die Repräsentation ist das Entscheidende hier, sondern die menschliche Begegnung.“

Das sehen die bisher über 23.000 Besucher, die seit der Öffnung des revitalisierten Kanzlerbungalows im Frühjahr 2009 die Begleitungen nutzen, heute nicht anders. Eine kleine Ausstellung im Gebäude informiert über die ehemalige Nutzung des Bungalows. Darüber hinaus finden sich in der neuen Publikation „Kanzlerbungalow“ Beiträge von dem Historiker Prof. Dr. Udo Wengst und dem ehemaligen Leiter der Dienststelle Bonn des Bundeskanzleramtes, Dr. Volker Busse. Dr. Judith Koppetsch gibt außerdem einen Einblick in die öffentliche Diskussion um den Kanzlerbungalow. Als Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, die für die Revitalisierung des Gebäudes im Rahmen ihres Denkmalprogramms zuständig war, äußern sich Georg Adlbert sowie der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Hans Walter Hütter, zur aktuellen und künftigen Nutzung des Kanzlerbungalows.

Ulrike Zander

Ein Stück Geschichte in Bonn

Ein Stück Geschichte in der Bundesstadt: Die ehemaligen Bonner und jetzigen Berliner Wirte Friedel Drautzburg (l.) und Harald Grunert (2.v.l.) spendeten der Deutschen Welle (DW) und der Stadt Bonn ein Originalstück der Berliner Mauer. „In vielen Städten gibt es Teile der Mauer, die meisten sogar in den USA, aber keines in Bonn“, erklärte Grunert, der zusammen mit Drautzburg in der Hauptstadt die Gaststätte „Ständige Vertretung“ („StäV“) betreibt. Die 3,60 Meter hohe und 3,8 Tonnen schwere Dauerleihgabe steht nun vor dem DW-Funkhaus. Drei Originalstücke seien auch im Haus der Geschichte zu sehen, erklärte dessen Präsident, Prof. Dr. Hans Walter Hütter, bei der Enthüllung. Der Künstler Ben Wagin gestaltete das Mauerteil aufwendig als Stele. Neben einer Eisenkette steht auf der einen Seite „Wende Mauer endet“ geschrieben, auf der anderen „Todes Mauer Krieg“, wobei die drei Wörter jeweils drei Mal neu zusammengestellt werden. Ein Foto mit den drei nicht bearbeiteten Mauerstücken aus dem Haus der Geschichte überreichte Hütter (r. neben Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle) den Spendern Grunert und Drautzburg.

Max Heier

Lesen verbindet Kulturen

„Mit der Buchmesse Migration möchten wir Brücken zwischen den Kulturen bauen“, so
Dr. Hidir Celik. Der Schriftsteller und Initiator der siebten Buchmesse Integration verwies damit bei der Eröffnung im Haus der Geschichte in Bonn auf die Signale, die von der Veranstaltung ausgehen sollen: Lesen verbindet die Kulturen. Offenbar nicht nur das Lesen, denn die Zuhörer waren auch von der multikulturellen Nachwuchstanzgruppe „B-Stars“ begeistert. Im Foyer des Hauses der Geschichte konnten sich die Besucher zudem an zahlreichen Bücherständen informieren und schmökern. Dazu fanden an vier Tagen unter dem Motto „Vielfalt erlesen und erleben – und mitmischen!“ viele Veranstaltungen statt. In Fachtagungen ging es etwa am 19. November 2009 um „Deutschland – Zukunft der Flüchtlinge“, am 21. November war das Thema „Mehrsprachigkeit und Elementarpädagogik“ und tags darauf wurde über „Frauenrechte = Migrantinnenrechte?!“ diskutiert. Zudem gab es auf der Messe Lesungen für Schulklassen, Vorträge und einen vielfältigen Afrikatag: Autoren stellten ihre Bücher vor, es gab ein afrikanisches Buffet und zum Abschluss wurde mit der Band „Bonn – Afrika“ gefeiert.

Max Heier

Wiedervereinigung aus französischer Sicht

Überzeugend widerlegte die französische Historikerin Hélène Miard-Delacroix in ihrem Vortrag „Frankreich und die deutsche Wiedervereinigung“ im Haus der Geschichte am 4. Dezember 2009 die landläufige Meinung, dass der westliche Nachbar gegen ein vereintes Deutschland gewesen sei. Der französische Staatspräsident François Mitterand sei sehr wohl für ein vereintes Deutschland gewesen - jedoch mit einigen Einschränkungen. „Die an Kälte grenzende Ruhe Mitterands“, erklärte die Professorin für Deutschland-Studien an der Pariser Universität Sorbonne, sei häufig falsch gedeutet worden. Frankreich habe sich in einer schwierigen Lage befunden. Vor allem die Medien hätten im Zuge der deutschen Wiedervereinigung die Gefahr einer neuen Großmacht gesehen. Trotzdem hätten sich „die Franzosen insgesamt über die Deutsche Einheit gefreut“, so Miard-Delacroix.

Max Heier

Dichterfürsten unter sich: Goethe und Schiller

Der Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski gab am 3. Dezember 2009 bei seiner Lesung im Haus der Geschichte Einblicke in die Beziehung der wohl bekanntesten deutschen Klassiker: Sein Buch „Goethe und Schiller: Geschichte einer Freundschaft“ behandelt die nicht immer einfache Beziehung zwischen den bedeutenden Dichtern und Denkern. „Es war wirklich eine Freundschaft“, sagte Safranski, und kein Mythos der Nachwelt. Mit Anekdoten aus dem Weimarer Umkreis unterhielt Safranski seine Zuhörer über die Lesung hinaus: So überrage das Denkmal von Johann Wolfgang von Goethe in Weimar die Statue von Friedrich Schiller. In der Realität sei jedoch Schiller um einen Kopf größer als sein zehn Jahre älterer Freund gewesen. Das erste persönliche Treffen der beiden habe zudem gar nicht von Literatur gehandelt. Bei einem Vortrag in Jena habe Goethe vor allem über sein Lieblingsthema „Metamorphosenlehre bei Pflanzen“ gesprochen, erzählte Safranski. Diese Ausführungen habe Schiller jedoch als fixe Idee abgetan. Der Anfang einer „wunderbaren Freundschaft“ zwischen zwei Gelehrten, die laut Safranski keineswegs „ein Herz und eine Seele“ waren.

Max Heier

 © 2010 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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