1/2010

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Kurt Klingner: Arbeit, Alltag, Perspektiven

Fotografien aus drei Jahrzehnten DDR

Rund 100 Fotografien des Ost-Berliner Fotografen Kurt Klingner präsentiert das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig in der Ausstellung „Arbeit, Alltag, Perspektiven. Fotografien aus drei Jahrzehnten DDR“, die vom 10. Dezember 2009 bis 28. Februar 2010 im Foyer des Museums zu sehen ist. Die Präsentation zeigt erstmalig Aufnahmen aus dem Nachlass Klingners, der sich in der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forums befindet.

Kurt Klingner – ein Name, der heute zu Unrecht weitgehend unbekannt ist. Die ästhetisch brillanten und stilistisch variationsreichen Fotoserien aus dem Arbeits- und Alltagsleben erweisen sich als wertvolles Zeugnis für das Leben in der DDR.

Quer durch die DDR

1908 in Riesa (Sachsen) geboren, starb Kurt Klingner 1982 in Ost-Berlin, wo er sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner belgischen Ehefrau Julika niederließ. Zeit seines Lebens fotografierte Klingner hauptsächlich für den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) und dessen 16 Fachindustriegewerkschaften. Klingner bezeichnete sich selbst als „Bildberichter“ und verstand sich als freier Reportagefotograf, der sich der sachlichen Dokumentation verpflichtet fühlte: Mit seiner Spiegelreflexkamera Praktica besichtigte Klingner Betriebe und Kombinate, Volkseigene Güter und Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, bereiste FDGB-Ferienheime, Klubhäuser und Urlauberschiffe, besuchte Sport- und Kulturveranstaltungen und versäumte weder Arbeiterfestspiele noch Feiern zum 1. Mai.

Kind seiner Zeit

Auf seinen Reisen interessierten ihn die Einrichtungen und Aktionen, die der Gewerkschaftsbund seinen Mitgliedern bot – Klingner lichtete sie aus jeder denkbaren Perspektive ab und blickte dabei auch hinter die Kulissen. Im Fokus seiner Arbeit standen jedoch die Menschen: ihre Gesichter, Mimik und Gestik in Momenten höchster Konzentration, ob bei der Arbeit oder in der Freizeit.
Klingner war kein sozialkritischer, geschweige denn regimekritischer Fotograf. Er war nicht darauf aus, Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Diktatur aufzudecken. Er war ein Kind seiner Zeit.

Das bestätigen die mehr als 15.000 Arbeiten im Nachlass des Fotografen. Neben den ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Aufnahmen existieren auch einige farbintensive Diaserien, die sich nahtlos in das offizielle Bild einfügten, welches das SED-Regime stets gerne über die „Schöne Heimat DDR“ in prachtvollen Fotobänden präsentierte. Gleichzeitig entstanden aber auch zahlreiche Aufnahmen, die unaufdringlich und doch dicht in ihrer Aussage sind. Sie zeugen vom fundierten Können und Gespür für den richtigen Augenblick, sind häufig frei vom blinden Pathos der in der DDR weitverbreiteten Auftragsfotografie und spiegeln dennoch den Zeitgeist wider: Vor allem die frühen Arbeiten aus den 1950er Jahren dokumentieren den Aufbauwillen und Fortschrittsglauben, sind optimistisch „der Zukunft zugewandt“ – ohne die Härten der Anfangsjahre zu beschönigen oder gar zu verleugnen. Es sind die Vielfalt, teilweise auch die Widersprüchlichkeit, die das Werk Klingners spannend machen.

Henrike Girmond

Porträt Kurt Klingner mit Kamera, 1967

Straßenszene in Leipzig, 1965-1975

Eisenhüttenkombinat Ost, Brigade „Borchert“, 1950-1955

Im Volkseigenen Betrieb (VEB) Polystrick Apolda, 1965-1979

 © 2010 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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