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Liebe, Heimweh und die Sehnsucht nach fernen Ländern prägten zu allen Zeiten die Texte erfolgreicher Schlager. In der unmittelbaren Nachkriegszeit spiegelten
etliche Musiktitel das Fernweh vieler Deutscher wider. Zwischen 1950 und 1960 sangen Schlagerinterpreten jedoch nicht nur verstärkt von romantisch erscheinenden
Reisezielen, sondern auch von der Heimat.
In den „Capri-Fischern“ verarbeiteten der Komponist Gerhard Winkler und der Textdichter Ralph Maria Siegel die weitverbreitete Italiensehnsucht und
schufen einen Evergreen. Bereits in der Nachkriegszeit ertönte dieser Schlager ungezählte Male aus den Rundfunklautsprechern. Beliebt war vor allem die Interpretation
von Rudi Schuricke, dessen warmer Tenor besonders die Frauen ansprach. Allein im ersten Nachkriegsjahr 1945/46 führten Musikkapellen den Schlager 12.000 Mal
öffentlich auf; von 1946 bis 1948 blieb die Platte der meistverkaufte Tonträger. Obgleich es an Papier mangelte, setzte der Verlag von der Komposition bis 1949 eine
Million Notendrucke ab. Schurickes Stimme trug „dazu bei, den deutschen Nachkriegsmenschen [...] neuen Mut zu geben und ihre Herzen zu erwärmen“, wie die
Zeitschrift „Melodie“ 1947 schrieb. Die Sehnsucht nach dem Süden münzten Siegel, Winkler und Schuricke in weitere Erfolge wie „O mia bella
Napoli“ und „Frühling in Sorrent“ um.
Fernweh
Auch andere Künstler widmeten sich der Sehnsucht nach Sonne, Wein, Meer und südländischen Liebhabern. Beinahe wie Tourismuswerbung klang es, wenn Peter Alexander,
Caterina Valente und Silvio Francesco 1955 „Komm ein bißchen mit nach Italien, komm ein bißchen mit ans blaue Meer“ sangen. Folgerichtig zeichnete die
Republik Italien den Dichter dieses Titels, Kurt Feltz, 1959 mit dem Verdienstorden aus. Bereits 1948 hatte Feltz einen Hit mit „Im Hafen von Adano“
geschrieben, einem erfundenen Traumziel, wie der Textdichter 1955 im „SPIEGEL“ einräumte: „Adano gibt’s gar nicht, aber für die Leute klingt das
exotisch“.
Heimweh
Nach dem Krieg sehnten sich viele Menschen nach Stabilität. Zahlreiche Titel beschworen zwischen 1950 und 1960 die Heimat, die oft durch Flucht, Vertreibung und
Kriegszerstörungen verloren gegangen war. Friedel Hensch und die Cyprys sangen zum Beispiel „Die Fischerin vom Bodensee“, „Försterliesel“
und „Heideröslein“. Der Titel „Das alte Försterhaus“, den Walter Brandin und Rudi Stemmler ursprünglich als Parodie verfasst hatten,
verkaufte sich eine halbe Million Mal. Das Jahr 1956 markierte einen Höhepunkt des Heimatschlagers: Mit „Heimweh“ erzielte Freddy Quinn bislang den
größten Verkaufserfolg der bundesdeutschen Schlagergeschichte. Fernweh und Heimatsehnsucht blieben auch in den folgenden Jahrzehnten bedeutende Themen des Schlagers.
So stark wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit prägten sie das Bewusstsein der Menschen jedoch nicht mehr.
Ingo Grabowsky
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Das sehnsuchtsvolle Lied von den Capri-Fischern wurde zum meistgespielten Lied der ersten Nachkriegsjahre.
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In den fünfziger Jahren folgten viele Deutsche dem Ruf von Caterina Valente: „Komm ein bißchen mit nach Italien…“
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Der Komponist Gerhard Winkler besuchte Capri erst 1953, als er schon längst als der „ungekrönte König des italienischen Kolorits“ galt.
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