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Ausstellungen |
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"Um Geschichte auszustellen, muss man Geschichten erzählen können"
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Interview mit der Ausstellungsgestalterin Petra Winderoll |
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Das Gestalterbüro Würth & Winderoll hat in seiner über zwanzigjährigen
Firmengeschichte weit über 60 Ausstellungen umgesetzt. Zu den Auftraggebern
zählen so bekannte Museen und Institutionen wie das Jüdische Museum in Berlin,
das Germanische Nationalmuseum und das Goethe Institut. Für das Haus der
Geschichte realisierten die Ausstellungsgestalter die Dauerausstellung, mehrere
Wechselausstellungen sowie die Wanderausstellung "Widerstand und Opposition in
der DDR". "Eine Ausstellung, die Mut macht und zeigt, dass Menschen stärker sind
als Diktaturen" so Petra Winderoll.

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Blick in die Ausstellung "Widerstand und Opposition in der DDR" im Berliner Reichstag |
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mm Frau Winderoll, wo lagen die gestalterischen Besonderheiten der
Wanderausstellung "Widerstand und Opposition in der DDR"?
Winderoll Eine Besonderheit ist, dass wir versuchten, die Menschen
zu zeigen, die hinter dem Widerstand in der DDR standen, ihre zentrale und
bedeutende Rolle innerhalb des Ausstellungsraums herauszustellen.
mm Wie erreichen Sie das mit der Ausstellungsgestaltung?
Winderoll Wir setzen dazu Portraitaufnahmen und Lebensläufe ein, die innerhalb
einer Ausstellungseinheit zentral positioniert sind, so dass der Blick des Besuchers zuerst
darauf fällt. Im Hintergrund wird die dazugehörige Geschichte dargestellt. Damit wollen
wir zeigen, dass die Geschehnisse nicht passiert wären, wenn nicht einzelne Menschen
gehandelt hätten. Der Besucher kann sich also zuerst einmal die Lebensläufe anschauen
und sich dann entscheiden, ob er sich in einzelne, geschichtliche Themen dahinter näher
vertieft. Durch die räumliche Staffelung der Eindrücke entstehen zudem mehrere
Informationsebenen und Erlebnisräume für den Besucher.
mm Der inhaltliche Bereich der Ausstellung umfasste ein halbes Jahrhundert
deutscher Geschichte. Wie schafft man es, auch weit zurück liegende Inhalte jungen
Besuchern näher zu bringen?
Winderoll Das Problem jeder Ausstellung ist zunächst, Besucher unterschiedlichen
Wissensstandes und unterschiedlichen Alters zu informieren. Unser Anliegen ist dabei immer,
vor allem auch Jugendliche zu erreichen. Besonders für junge Leute ist es wichtig, in einer
Ausstellung Dinge zu finden, die ihnen vertraut sind. So kommt der Einsatz von interaktiven
Medien bei ihnen natürlich sehr gut an oder Filme, in denen Aktion gezeigt wird. Aber auch
mit Objekten, in denen sie ihre eigene Alltagswelt wiederfinden können, setzen sich Jugendliche
auseinander. In "Widerstand und Opposition" gibt es zum Beispiel eine Abiturklasse von 1949,
die sich mit ihrem Lehrer zusammen gegen das Regime geäußert hat. Wir zeigen hierzu eine
große Aufnahme von deren Tanzstunde. Darunter sieht man, wie viele von ihnen danach verhaftet
wurden. An diesem Punkt können wir die Jugendlichen von heute abholen: die Tanzstunde, dasselbe
Alter und der Gedanke, auch ich hätte betroffen sein können.
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mm Wie werden Medien in die Ausstellung integriert?
Winderoll Der Einsatz moderner Medien sollte heutzutage in Ausstellungen
selbstverständlich sein. Oft setzen wir gleiche Medien für ähnliche Inhalte ein, um
wiederkehrende Themen miteinander zu verbinden und um den Besuchern das Zurechtfinden
zu erleichtern. Wenn wir uns in der Ausstellung "Widerstand und Opposition" dafür
entscheiden, große Demonstrationen - wie z. B. die des 17. Juni 1953 - immer über
filmische Installationen darzustellen, zieht sich das durch die ganze Ausstellung.
Die älteren Besucher haben die Bilder der damaligen Geschehnisse vielleicht noch im
Gedächtnis, aber die Jugendlichen nicht.
Aber auch andere Darstellungsmittel schaffen
inhaltliche Verbindungen. In dieser Ausstellung werden viele Urteile und Vernehmungsprotokolle
gezeigt. Wir präsentieren diese Papiere immer auf Pulten zum Blättern. Wer möchte,
kann diese Dokumente ausschnittsweise oder ganz lesen und die menschlichen Schicksale
hinter dem scheinbar leblosen Papier entdecken.
mm Ab welchem Zeitpunkt arbeiten Sie an einer Ausstellung mit?
Winderoll Die inhaltliche Konzeption wird von den Museen festgelegt.
Es ist selten, dass Gestalter dabei einbezogen werden. Auf der Basis dieses
inhaltlichen Gerüsts beginnen wir unsere Arbeit: Entwickeln die Ausstellungsarchitektur,
schaffen Erlebnisräume, akzentuieren durch die Gestaltung die inhaltlichen Schwerpunkte.
Wir lernen die Exponate kennen und entwickeln dafür die entsprechenden Ausstellungsstrukturen,
Inszenarien, Vitrinen und Wandelemente.
mm Reisen Sie die Orte vorher ab, in der die Ausstellung zu sehen sein wird?
Winderoll Üblicherweise schicken uns die Veranstalter Pläne von den
Ausstellungsorten und Fotografien der Räumlichkeiten zu. Darauf sehen wir, wie
die Eingänge beschaffen sind, wo Steckdosen liegen, wie die Beleuchtung installiert
ist usw. Nur in komplizierten Fällen besuchen wir vor dem Aufbau die Orte. Das
war beispielsweise in Schwerin der Fall, wo die Ausstellung in einer Kirche stattfand,
die auch noch zu Gottesdiensten benutzt wird.
mm Die Ausstellung wurde von vielen Menschen in Ost und West besucht.
Was sollte Sie im Bewusstsein der Besucher erreichen?
Winderoll Es ist eine Ausstellung, die Mut machen und zeigen soll,
dass couragierte Menschen auch Diktaturen überwinden können. |
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Interview: Markus Stadtmüller |
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