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Dem sächsischen Traditionsgericht sind auf dem Weg
in den Westen die besten Zutaten abhanden gekommen. Im Westen kennt man es nur als
schlichte Gemüsemischung aus Erbsen, Karotten und ein
paar Spargelstückchen. Dabei ist das originale Leipziger
Allerlei eine Delikatesse, die es verdient hat, wieder ins kulinarische
Rampenlicht gerückt zu werden.
Die Ursprünge des Gerichts reichen weit ins vorletzte
Jahrhundert zurück: Leipzig war einst eine sehr reiche
Stadt. Man lebte und aß üppig, was neben Bettlern auch die
königlichen Steuereintreiber mit Interesse beobachteten.
Da schlug ein Ratsschreiber den Stadtvätern folgende List
vor:
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Nur wenige Rezepte und Gerichte aus der ehemaligen
DDR sind auch im Westen populär geworden. Zu den Ausnahmen, die nicht nur
sprichwörtlich in fast aller Munde sind, gehört das Leipziger Allerlei. |
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Man solle bei Tisch alle teuren Zutaten wie Morcheln
oder auch Fleisch unter Gemüse verstecken und das ganze
nur mit einem kleinen Flusskrebs aus der Pleiße garnieren
(Flusskrebse waren damals noch keine Rarität). Wer
kommt und mitessen möchte, dem wird von oben abgeschöpft,
erhält also nur Gemüse, so dass sich Bettler und
Steuereintreiber schon von allein abwenden werden. Da das
Gericht vor allem aus jungen Gemüsen besteht, ist es ein
perfektes Frühjahrsessen.
Hans-Albert Stechl
Zubereitung:
Gemüse: Alle Gemüse putzen und in mundgerechte
Stücke schneiden. Morcheln der Länge
nach vierteln und den Sand auswaschen. Gemüse
und Morcheln getrennt in Salzwasser 10
Minuten kochen (die Zuckerschoten 3 Minuten).
In Eiswasser abschrecken, abtropfen lassen.
Krebse: Suppengrün klein schneiden und mit
Dill, Salz und Kümmel in einem Topf 10 Minuten
kochen. Krebse dazugeben, nach 3 Minuten mit
der Schaumkelle herausnehmen und in Eiswasser
abschrecken. Krebsfleisch aus Scheren und
Schwänzen herauslösen. Vier Krebsschalen
zur Dekoration beiseite legen.
Sauce: Restliche Krebsschalen in Olivenöl
anbraten, Röstgemüse, gewürfelte Schalotte
und Tomatenmark dazugeben und mitbraten. Mit
Brühe ablöschen, Wein, Krebsbutter, Sahne und
Cognac dazugeben und um die Hälfte einkochen.
Salzen und pfeffern. Durch ein feines Sieb
abgießen.
In einer großen Pfanne Butter erhitzen und
darin Gemüse und Morcheln 5 Minuten anbraten.
Das Krebsfleisch dazugeben und kurz mitbraten.
Die Soße dazugeben und alles zusammen
einmal aufkochen lassen. Mit Muskat
abschmecken. Das Leipziger Allerlei auf Teller
geben, mit einer Krebsschale und Kerbelblättern
dekorieren.
Zutaten (4 Personen)
Gemüse:
Je 100 g Möhren, Kohlrabi,
Teltower Rübchen, weißer
und grüner Spargel, Zuckerschoten,
Lauchzwiebeln,
Bleichsellerie, Blumenkohl
und frische Morcheln.
Salz, Pfeffer, Muskat,
Kerbelblätter, Butter zum
Andünsten.
Krebse:
16 frische Flußkrebse, je
1 Bund Dill und Suppengrün,
1 TL Kümmel, Salz.
Sauce:
Krebsschalen, 200 g Röstgemüse,
1 TL Tomatenmark,
100 g Krebsbutter,
2 Schalotten, 1/4 l Hühnerbrühe,
1/8 l trockener
Weißwein, 2 EL Cognac,
100 g Sahne, Olivenöl,
Salz, Pfeffer.
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