2/2004

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Politik des langen Atems

Symposion zum 100. Geburtstag Kiesingers

Am 6. April 2004 jährte sich der Geburtstag Kurt Georg Kiesingers zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass veranstaltete das Haus der Geschichte am 16. März 2004 in seiner Reihe "Nach-Denken" ein Symposion, das sich mit seinem politischen Wirken als Kanzler der Großen Koalition von 1966 bis 1969 auseinandersetzte.

200 Zuhörer folgten der Einladung ins Palais Schaumburg, um dem Symposion zum 100. Geburtstag Kurt Georg Kiesingers beizuwohnen. Professor Dr. Klaus Hildebrand skizzierte einleitend die wichtigsten Stationen im Leben Kiesingers bis zu seiner Wahl zum Bundeskanzler 1966 und beleuchtete die zentralen Herausforderungen seiner dreijährigen Kanzlerschaft.

Der Bonner Historiker Klaus Hildebrand erinnert an Kurt Georg Kiesinger.

Als Chef der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD, die als Zweckbündnis auf Zeit erhebliche Gegensätze zu überbrücken hatte, habe Kiesinger stets erfolgreich einen Ausgleich gesucht. Hildebrand stellte heraus, dass Kiesingers Regierung in kleinen Schritten ein umfassendes Programm abgearbeitet und bis auf die Wahlrechtsreform vollständig umgesetzt habe. Damit ist Kiesinger offenbar jener Strategie gefolgt, die er 1967 in einem Brief an Rainer Barzel umrissen hat: "Wir müssen uns vielmehr zu einer Politik des langen Atems verstehen, die geduldig und beharrlich Schritt für Schritt voranzukommen sucht."

Warum die Große Koalition dennoch ein wenig in Vergessenheit geraten ist, diskutierte Hildebrand anschließend unter Moderation des Journalisten Dr. Volker Mauersberger mit den Zeitzeugen Hans-Dietrich Genscher, Hans Neusel (seit 1967 persönlicher Referent Kiesingers und später Staatssekretär) und Klaus Schütz (1966-1967 Staatssekretär im Auswärtigen Amt). Das unter allgemeiner Zustimmung gezogene Fazit der Diskussion: Die Große Koalition sei besser gewesen als ihr Ruf.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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