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Alle reden vom Wetter

Ein Produkt aus dem Museumsshop

Notstandsgesetze, Große Koalition, Studentenunruhen, Außerparlamentarische Opposition oder die Rote- Armee-Fraktion - die "68er" rütteln am politischen und gesellschaftlichen Status quo der Bundesrepublik. Und sie setzen dabei Zeichen. Vor allem auf Demonstrationen taucht immer wieder ein Plakat auf, das bald zum Symbol des revolutionären Geistes wird.

"Zuerst gehen wir die Ausstellung nach Exponaten durch, die einen großen Symbolwert und hohen Bekanntheitsgrad haben. Und in einem zweiten Schritt entscheiden wir dann gemeinsam mit der Stiftung, welches Motiv wir in welche Produkte umsetzen können", erklärt Wolfgang Engert, Geschäftsführer der OPERA GmbH, die den Museumsshop betreibt.

Wolfgang Engert (l.) und Hans Walter Hütter (M.) bei der Feinabstimmung über Shopprodukte

Bekanntlich ist das Wetter ein dankbares Gesprächsthema: Jeder kann dazu etwas sagen und es lässt sich daraus ein zwangloser Smalltalk spinnen - unverfänglich, bedeutungslos und ohne größeren Anspruch. Bei extremen Wetterlagen scheint jedoch die Bedeutung des Wetters sprunghaft anzusteigen. Das Plakat der Deutschen Bahn aus dem Jahr 1967 zeigt eine Lokomotive, die nicht Wind noch Wetter, weder Eis noch Schnee aufhalten kann. Klimatische Verhältnisse spielen für sie keine Rolle. Darunter der Slogan: "Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Die Deutsche Bahn."

Diesen Slogan stellen die beiden Stuttgarter Studenten Ulrich Bernhardt und Jürgen Holtfreter leicht modifiziert in den Dienst an der Weltrevolution. Als Vorlage dient dabei ein in den Ostblockstaaten häufig verwendetes Bildmotiv, das die Konterfeis des kommunistischen Triumvirats Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Lenin zeigt. Am 16. Januar 1968 präsentieren die beiden Studenten der Stuttgarter Kunstakademie ihren Layout-Entwurf. Und schon bald wird das Motiv auf Plakaten und Fahnen zum Siegeszug ansetzen durch die Straßen der westdeutschen Universitätsstädte, getragen von politischen Aktivisten der Studentenbewegung.

Dass dieses Motiv auch für die Museumsbesucher von Interesse sein könnte, darüber herrschte einvernehmliche Zustimmung bei dessen Auswahl als ein erfolgversprechendes Produkt für den Museumsshop. So entstanden neben Postkarten und Kleinplakaten auch Kaffeetassen mit den revolutionären Konterfeis, die mittlerweile zu einem Renner bei den Museumsbesuchern wurden.

Im Museumsshop finden sich außer spannender Literatur zum "Erlebnis Geschichte" viele Exponate en miniature, vom Messerschmitt-Kabinenroller bis zum Puzzle oder elegante Accessoires aus der Haus-der-Geschichte-Kollektion.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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