| Nie war das Thema so aktuell wie heute. Ausführlich
berichten die Medien über den "Krieg der Bilder". Sie sprechen von
Propaganda und Zensur, bezweifeln deren Wahrheitsgehalt oder zitieren
Peter Sloterdijks Gedanken über die Omnipotenz der Bilder. Die Bonner
Ausstellung "Bilder, die lügen" ist nun im Deutschen Historischen
Museum in Berlin zu sehen.
Drei Pferde und vier Assistenten schleppen 36 Kisten mit sich,
als der englische Fotograf Roger Fenton 1855 auszieht, um den Krimkrieg
zu fotografieren. 365 Fotoplatten bringt er von seiner Reise zurück.
Die Geschichte der Pressefotografie beginnt mit einer Lüge: Die
ersten veröffentlichten Fotos zeigen den Krieg nicht von seiner
grausamen Seite, sondern eher als gemütliches Beisammensein. |
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Baumwolltuch von 1922, auf dem Stalins
Widersacher Trotzki getilgt wurde. |
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| Bis 1880 das erste rein mechanisch
reproduzierte Foto in einer Zeitung erscheint, hat das Medium längst
weiter an Unschuld verloren. Das Bild, seit Jahrhunderten im Dienst
von Ideologen als Mittel zur Macht vereinnahmt, wird weiter missbraucht
und instrumentalisiert. Der Glaube an die Authentizität der Bilder
fördert den Wunsch nach Manipulation lange, bevor computergestützte
Bildbearbeitungsprogramme entwickelt werden. Legendär sind frühe
Beispiele aus der Herrschaftspraxis Josef Stalins, unliebsam gewordene
Personen durch Bildmanipulationen aus dem öffentlichen Gedächtnis
zu löschen. Ebenso beeindruckend sind aber auch Beispiele aus den
beiden letzten Kriegen im Irak 1991 und 2003. Foto und Film - so
ein weitverbreiteter Irrtum - zeigen die Welt, wie sie ist. In Wirklichkeit
zeigen Filme und Fotos die Welt aber immer nur so, wie sie gesehen
werden soll. Kein Bild ist authentisch, kein Foto objektiv. In einem
Foto wird es keine präzise Information und keine objektive Wahrheit
geben, außer der Tatsache, dass es sich um ein Foto und kein Gemälde
oder Zeichnung handelt.
Kein wichtiges Ereignis ist denkbar ohne sein Bild. Erst das Bild
bahnt sich den Weg durch die Flut der Informationen in die Köpfe
der Menschen - stärker und eindrucksvoller als die berühmten tausend
Worte, die es begleiten. Trotz aller Zweifel und Belehrungen glauben
wir wie vor fünfzig oder hundert Jahren an das Bild, das einer scheinbaren
Objektivität entspringt. Wer um die technischen Möglichkeiten weiß
und die Verlockung des Marktes und der Politik kennt, ahnt, welcher
Zukunft wir entgegen steuern. Gewissheit darüber, was echt ist oder
manipuliert, was wahr ist oder gelogen, wird es nicht mehr geben.
"Wer die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe", so ein
Ausspruch, der Bill Gates zugeschrieben wird. Am Wahrheitsgehalt
dieser Aussage gibt es keine Zweifel mehr. Die Stiftung Haus der
Geschichte ist dank der finanziellen Unterstützung der Bundeszentrale
für politische Bildung in der Lage, Nachdenken über dieses heikle
Thema der Gegenwart durch eine neue Wanderausstellung "Bilder, die
lügen" zu provozieren. |