Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

 Übersicht                                 
 Titel                                            
 Ausstellungen                           
 "Ihr sollt in unseren
 Tränen ersaufen"
 Jeder ist ein Fremder -
 fast überall
 Bilder, die lügen
 "Nichts ist beleidigender
 als die Wahrheit"
 Infothek                                    
 Brennpunkt                             
 Zeitgeschichtliches
 Forum Leipzig                         
 Das Historische Rezept        
 Editorial 4/2003                       
 Termine 4/2003                      
 Impressum 4/2003                
 Kontakt                
 Archiv                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Ausstellungen

 

Bilder, die lügen

Bonner Ausstellung in Berlin

Nie war das Thema so aktuell wie heute. Ausführlich berichten die Medien über den "Krieg der Bilder". Sie sprechen von Propaganda und Zensur, bezweifeln deren Wahrheitsgehalt oder zitieren Peter Sloterdijks Gedanken über die Omnipotenz der Bilder. Die Bonner Ausstellung "Bilder, die lügen" ist nun im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen.

Drei Pferde und vier Assistenten schleppen 36 Kisten mit sich, als der englische Fotograf Roger Fenton 1855 auszieht, um den Krimkrieg zu fotografieren. 365 Fotoplatten bringt er von seiner Reise zurück. Die Geschichte der Pressefotografie beginnt mit einer Lüge: Die ersten veröffentlichten Fotos zeigen den Krieg nicht von seiner grausamen Seite, sondern eher als gemütliches Beisammensein.

Baumwolltuch von 1922, auf dem Stalins Widersacher Trotzki getilgt wurde.

Bis 1880 das erste rein mechanisch reproduzierte Foto in einer Zeitung erscheint, hat das Medium längst weiter an Unschuld verloren. Das Bild, seit Jahrhunderten im Dienst von Ideologen als Mittel zur Macht vereinnahmt, wird weiter missbraucht und instrumentalisiert. Der Glaube an die Authentizität der Bilder fördert den Wunsch nach Manipulation lange, bevor computergestützte Bildbearbeitungsprogramme entwickelt werden. Legendär sind frühe Beispiele aus der Herrschaftspraxis Josef Stalins, unliebsam gewordene Personen durch Bildmanipulationen aus dem öffentlichen Gedächtnis zu löschen. Ebenso beeindruckend sind aber auch Beispiele aus den beiden letzten Kriegen im Irak 1991 und 2003. Foto und Film - so ein weitverbreiteter Irrtum - zeigen die Welt, wie sie ist. In Wirklichkeit zeigen Filme und Fotos die Welt aber immer nur so, wie sie gesehen werden soll. Kein Bild ist authentisch, kein Foto objektiv. In einem Foto wird es keine präzise Information und keine objektive Wahrheit geben, außer der Tatsache, dass es sich um ein Foto und kein Gemälde oder Zeichnung handelt.

Kein wichtiges Ereignis ist denkbar ohne sein Bild. Erst das Bild bahnt sich den Weg durch die Flut der Informationen in die Köpfe der Menschen - stärker und eindrucksvoller als die berühmten tausend Worte, die es begleiten. Trotz aller Zweifel und Belehrungen glauben wir wie vor fünfzig oder hundert Jahren an das Bild, das einer scheinbaren Objektivität entspringt. Wer um die technischen Möglichkeiten weiß und die Verlockung des Marktes und der Politik kennt, ahnt, welcher Zukunft wir entgegen steuern. Gewissheit darüber, was echt ist oder manipuliert, was wahr ist oder gelogen, wird es nicht mehr geben.

"Wer die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe", so ein Ausspruch, der Bill Gates zugeschrieben wird. Am Wahrheitsgehalt dieser Aussage gibt es keine Zweifel mehr. Die Stiftung Haus der Geschichte ist dank der finanziellen Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung in der Lage, Nachdenken über dieses heikle Thema der Gegenwart durch eine neue Wanderausstellung "Bilder, die lügen" zu provozieren.

Jürgen Reiche

     

Brutales Vorgehen oder Mitgefühl in der Not? Der Ausschnitt bestimmt die Aussage.

2. Oktober 2003 bis 1. Februar 2004 in
der 2003 eröffneten Ausstellungshalle von
I. M. Pei
Deutsches Historisches Museum
Hinter dem Gießhaus 3
D-10117 Berlin
täglich 10- 18 Uhr geöffnet

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang