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Streng geheim

50 Jahre Bundesnachrichtendienst

1. April 1956: Vor 50 Jahren nimmt der Bundesnachrichtendienst (BND) offiziell seine Tätigkeit auf. Seine Aufgabe: Beschaffung sicherheits- und außenpolitischer Informationen. Der BND ist dem Bundeskanzleramt angegliedert. Doch seine Geschichte beginnt bereits viel früher.


Am Nikolaustag 1947 bezieht die unter der Bezeichnung Organisation Gehlen geführte Vorläuferorganisation des BND ihr Quartier in Pullach bei München. Der Name geht zurück auf Reinhard Gehlen, bis 1945 Leiter der Wehrmachtsabteilung "Fremde Heere Ost", die Informationen über die sowjetischen Streitkräfte sammelte.

"Gänseblümchen" Elli Barczatis liefert zwei Jahre lang geheime Informationen in den Westen.

Gänseblümchen und Eva

In den letzten Kriegswochen bringt der Generalleutnant gleich kistenweise wertvolle Unterlagen über die Rote Armee in Sicherheit und bietet sie und seine Dienste kurz darauf der amerikanischen Besatzungsmacht an. Sein Kalkül geht auf. Ab Juni 1946 ist Gehlen wieder in Sachen Aufklärung unterwegs, diesmal im Dienste der US-Army, ab 1949 unter den Fittichen des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Von Pullach aus baut die Organisation Gehlen unter dem Deckmantel von Tarnfirmen in den Westzonen, im geteilten Berlin, aber auch in Österreich ein weit verzweigtes Netz von Filialen und Informanten auf. Im Visier: Ost-Berlin, die SBZ bzw. DDR und ihre Schutzmacht Sowjetunion.

In den Anfangsjahren verzeichnet die Organisation Gehlen beachtliche Erfolge. So gelingt es ihr, "Quellen" im Zentrum der gegnerischen Macht "zu führen". Unter ihnen die Sekretärin des DDR-Ministerpräsidenten, Elli Barczatis. Seit 1953 spielt "Gänseblümchen", so der Deckname, ihrem Geliebten Karl Laurenz Informationen zu. Ohne ihr Wissen leitet dieser die Geheimnisse an den westlichen Geheimdienst weiter. Im Zuge einer weitläufigen Enttarnungsaktion - die DDR meldet propagandistisch wirksam die Verhaftung von mehr als 1.000 "Gehlen-Spionen" - wird auch "Gänseblümchen" überführt. 1955 nach kurzem Prozess zum Tode verurteilt, stirbt sie in Dresden unter dem Fallbeil.

Nach der Gründung des Bundesnachrichtendienstes 1956 fungiert Reinhard Gehlen bis 1968 als dessen Präsident. Nun versucht der BND auch im arabischen Raum und in Afrika, später dann mit der "Operation Eva" weltweit zu operieren. Die Globalisierung der Geheimdienstarbeit sollte Partnerbeziehungen pflegen und vor allem einen eindämmenden Ring um die Staaten des Warschauer Paktes legen.

 

Liebe und Verrat: "Romeo-Agenten" der DDR wurden auf Sekretärinnen in hohen Staatsbehörden der Bundesrepublik angesetzt.

Doppelagenten

Ende 1961 muss Gehlen eine weitere Niederlage verkraften: Heinz Felfe, Leiter der Gegenspionage, wird als KGB-Spion enttarnt. Der Doppelagent hatte dem Ostblock zahlreiche Agentennamen zugespielt, der Verlust für den BND ist riesig. Der Stern von Gehlen sinkt, hatte sein Dienst doch wenige Monate zuvor auch den Bau der Mauer nicht vorhergesagt.

1968 tritt General Gerhard Wessel die Nachfolge Gehlens an, ihm folgt mit Klaus Kinkel 1979 erstmals ein Zivilist ins Amt. Sieben weitere Präsidenten folgen, erst kürzlich hat Ernst Uhrlau das Präsidentenamt seines Vorgängers Dr. August Hanning übernommen.

In der Öffentlichkeit genießt der BND lange keinen guten Ruf, er scheint von Pleiten, Pech und Pannen verfolgt. So wird 1976 die Sekretärin Heidrun Hofer als Opfer eines "Romeo-Agenten" enttarnt: Sie ist eine der zahlreichen Sekretärinnen, die von Agenten östlicher Geheimdienste unter Vorspiegelung einer emotionalen Bindung zum Geheimnisverrat verführt werden. Drei Jahre lang hatte Heidrun Hofer Interna verraten. Als weitere Top-Agentin für die DDR entpuppt sich erst nach 1989 Gabriele Gast. Die Regierungsdirektorin hatte 17 Jahre lang unter dem Decknamen "Gisela" dem DDR-Geheimdienst Einblicke in die Führungsebene des BND gewährt.

Erfolge

Doch es gibt auch Positives zu vermelden: 1979 flieht MfS-Offizier Werner Stiller in die Bundesrepublik. Neben Telefon- und Mitarbeiterlisten des Ministeriums für Staatssicherheit bringt er wertvolles Insiderwissen mit. Siebzehn Ost-Agenten werden enttarnt, und der Kopf der DDR-Auslandsspionage, Markus Wolf, kann nach den Angaben Stillers erstmals sicher auf einem Foto identifiziert werden.

In den 1980er Jahren bleiben DDR und Sowjetunion erstrangiges Aufklärungsziel des BND - den Zusammenbruch des kommunistischen Systems vermag der Nachrichtendienst aber nicht vorauszusagen. In den 1990er Jahren ist für die Geheimdienste nichts mehr so wie es zu Zeiten des Kalten Krieges war: Neue Aufgabenfelder, neue Feindbilder und neue Koalitionen kristallisieren sich heraus. Aufkommende Diskussionen um die Überflüssigkeit geheimdienstlicher Arbeit enden abrupt mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington.

Henrike Girmond

Der Autor ist Geschäftsf├╝hrer des Heinz Nixdorf MuseumsForums

 © 2007 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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